Donnerstag, 2. Mai 2013

Ein Nachmittag in Hakata

Als ich 1996 nach acht Monaten in Afrika, Pakistan und China in Hong Kong zum ersten Mal ein „Deli France“ mit Baguette, Butter und Marmelade von Darbo gesehen habe, sind mir fast die Tränen gekommen.

Jetzt sitze ich in Hakata (Fukuoka) in einem Lokal mit dem klingenden Namen „Comment allez vous“, trinke Espresso und esse italienischen Pudding während aus den Lautsprechern brasilianischer Jazz dringt. Und niemand findet da mehr was groß was Besonderes dran.


Draußen ist die Luft glasklar, die Sonne scheint und ein frischer Wind weht. Fukuoka ist eine Stadt mit wenig herausragenden Sights, aber sie ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung von Kyushu, dem Westen Japans. Und sie war die einzige Stadt, in der ich grad noch eine Unterkunft gefunden habe (im ANA Crown Plaza, man gönnt sich ja sonst nix), denn jetzt beginnt der zweite Teil der „Golden Week“. Da häufen sich in Japan ein paar Feiertage (der 1. Mai ist interessanterweise hier kein Feiertag) und alle fahren offenbar wild durch die Gegend.


Ich habe einen 5-Tages-Pass von JR (Japan Rail) West, der auch den Shinkansen einschließt. Daher bin ich heute aus Osaka her gekommen und werde morgen einen Ausflug nach Nagasaki machen und übermorgen in den Süden von Kyushu hinunter fahren.







Im Crown Plaza wird es übrigens seit ein paar Minuten vermutlich einen Rezeptionisten weniger geben. Beim Einchecken haben sie mich ins Zimmer 624 gebucht, wie ich rauf gekommen bin, war die Tür schon offen (ist wohl ein special service, hab ich mir gedacht) und ich hab mich eingerichtet. Wie ich dann ein wenig später in die Stadt gehen wollte, hat meine Karte die Zimmertür nicht mehr geöffnet. Ich habe daher an der Rezeption gebeten, sie mögen die Karte überprüfen. Daraufhin entsetzt aufgerissene Augen, wieso ich ins Zimmer 624 wolle, ich sei doch im Zimmer 602!?!

Als ich ihnen den Check-In-Beleg zeige, wo groß 624 drauf steht, fällt der zuständige Rezeptionist beinahe in Ohnmacht. Oh, so so so sorry, SORRYY!! Da ist ihm beim Einbuchen ein Fehler unterlaufen, weil eigentlich war ich fürs Zimmer 602 vorgesehen, aber das sei dann noch nicht fertig gewesen, und da habe er … Mit jedem Wort wird er kleiner, die Schweißperlen auf seiner Stirn größer und sein Englisch schlechter. Voller Großmut sage ich „no problem, shall I move to 602?“ Heftiges Abgewinke aller drei Rezeptionist/innen, die sich mittlerweile um mich kümmern, nein, nein, bitte nicht, ich soll in 624 bleiben (ich hätte nichts gegen 602 gehabt, das wäre von der Straße weg gelegen), aber ich lasse mich erweichen und darf nach einigem Hin- und Her dann doch aus dem Haus gehen. Vermutlich haben sie den jungen Mann dann in ein Zimmer nach hinten geführt und gesagt, da er ein Ehrenmann sei, wisse er ja, was er zu tun habe und ob man den Hinterbliebenen noch was ausrichten solle … Seppuku, hai!!


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