Dienstag, 30. April 2013

Puipui und Gyuto

Heute war ein Tag voller Überraschungen!

Überraschung 1: ich komme ins japanischen Fernsehen! Ob das eine Gnade ist oder doch eine Last, kann ich noch nicht genau sagen, aber ich nähere mich jedenfalls immer mehr meinem heimlichen Idol Bill Murray an! Suntory Whisky hätte ich schon getrunken, fehlt nur mehr Karaoke und vor allem Scarlett Johansson …! (http://www.youtube.com/watch?v=Fks66sPZkoQ)

Ich ging gerade bei der Osaka Station heraus, wo ich mir einen Railpass für die Fahrt in den Westen gekauft hatte, als ich aus dem Augenwinkel bemerkte, wie sich auf einmal die Köpfe eines Filmteams in meine Richtung drehten. Und schon war ein netter junger Mann da, der mich fragte, wo ich denn her sei, warum ich gerade nach Japan gekommen sei und wo ich denn jetzt hin wolle. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass ich gerade auf der Suche nach einem japanischen Küchenmesser für einen Freund von mir sei, aber noch nicht so genau wisse, wo ich dafür hin wolle.

Na optimal, seine Sendung sei genau dazu da, um verirrten Fremden wieder auf den rechten Weg zu helfen! Auf dem Zettel, der mir nach dem Interview überreicht wird, steht es noch genauer: „Two men ROZAN guide travelers who have lost its way. CHICHINPUIPUI is a local TV program which is heart-warming, filled with laughter and hot news.“ Na dann ist ja klar, warum sie sich mich ausgesucht haben!


Ich frage dann noch, ob die Sendung denn auch im Internet zu sehen sein wird, die Antwort darauf war aber nicht sehr klar. Die Website der Sendung ist jedenfalls: http://www.mbs.jp/puipui/ und wer von Euch Zugang zu Leuten hat, die herausfinden könnten, ob es zur Sendung von nächster oder übernächster Woche einen download gibt, wird an dieser Stelle ausführlichst geehrt!

Die Messer in dem Department-Store, das gleich um die Ecke ist, überzeugen mich dann aber nicht, ich habe nämlich sowieso noch ein anderes Ziel im Auge, nämlich einen Shop, auf den ich im Internet gestoßen bin und der von einem freundlichen Kanadier betrieben wird. Und dort erwartet mich:

Überraschung 2: ich kaufe mir ein Messer!

Santoku, handgeschmiedet

Eigentlich bin ich ja im Auftrag Dritter unterwegs, genauer gesagt, eines Dritten (Herwig). Er hätte nämlich gern so ein richtig gutes japanisches Küchenmesser und ich habe angeboten, mich hier umzusehen, was es denn so gibt und was es denn so kostet.

Santoku

Im Tokioter Nobel-Shopping-Distrikt habe ich schon einmal Messer gesehen, die atemberaubend ausgesehen haben. Aber erstens waren sie eher teuer und zweitens lagen gleich daneben Messer, auf deren Schneide groß „Steel from Böhler-Uddeholm“ stand. Man weiß ja, dass Böhler-Uddeholm Weltmeister bei Spezialstählen ist, aber der Exotik hat das dann doch einen kleinen Dämpfer versetzt.


Hier im Tower Knife Shop jedenfalls liegen und hängen die handgeschmiedeten Messer von Meistern aus Sakai, einer Stadt ganz in der Nähe von Osaka. Wobei, es sind ja mehrere Meister, die an der Herstellung eines Messers beteiligt sind: Meister X, der das Ding schmiedet. Meister Y, der es dann schleift und Meister Z, der es schlussendlich poliert. Und wenn man zB ein Sashimi-Messer möchte, dann geht man besser sowieso gleich zu einem anderen Meister.



Schleifstein, fein
Reinigen des Messers nach dem Schleifen

Nach zwei Stunden mit Bjorn weiß ich jedenfalls alles über die Messer, er hat erst 9 Jahre bei einem der großen Messerhersteller hier in Japan gearbeitet und seit zwei Jahren seinen eigenen Shop. Vom Einkaufen für Herwig bin ich eh schon lange weg, ich will jetzt selber ein Messer!

Oben ein Gyuto, unten ein Santoku.
Die Santoku wurden der geringeren Größe der japanischen Küchen angepaßt

Neben all den Informationen zu den Messern selbst bekomme ich gleich noch einen kleinen Hands-On-Schneidekurs, erstens um die Messer miteinander zu vergleichen, zweitens aber auch um zu verhindern, dass meine Fingerkuppen gleich mit den Karottenscheibchen im Salat landen.


Im Endeffekt entscheide ich mich für ein Gyuto und kein Santoku. Es ist fast unauffällig (es hat zB keine Damaszener-Musterung), es ist nicht handgearbeitet, dafür rostfrei und in der Form europäischen Messern ähnlicher als zB das Santoku, das andere Universalmesser. Es ist sogar teurer als viele der handgearbeiteten, aber es liegt einfach am besten in der Hand und es macht wahnsinnig Spass, damit zu schneiden!

Meins! 

Dank an Tomaten, Karotten und Lauch
Daher mein Rat an alle, die auch daran denken, sich ein Messer zuzulegen: sucht Euch einen Shop, in dem man in Ruhe verschiedene Messer ausprobieren kann und entscheidet Euch dann. Bewertungen im Internet können eine erste Orientierung geben, aber sie ersetzen nicht das eigene Probieren. Am besten ist es natürlich, ihr kommt hierher nach Osaka, in den Tower Knives Shop, hai!!

Tower Knives, Osaka
http://www.towerknives.com
Lebt das?

Montag, 29. April 2013

Osaka Dinner

Abends gehe ich außer Haus, um mir etwas zum Essen zu suchen. Eigentlich peile ich den Din Taifung an, ein taiwanesisches Lokal, in dessen Schwesterlokal ich in Hong Kong vorzüglich gegessen habe. Und siehe da, die hiesige Niederlassung ist wieder nur zwei Minuten zu Fuß von hier (habe ich schon erwähnt, daß ich right in the middle of things bin?). Leider schaut mich das Lokal und auch die ausgestellten Speisen nicht besonders an, also spaziere weiter.

Irgendwann komme ich an einem Ecklokal vorbei, acht Sitze, fünf besetzt. Es ist zwar alles nur auf japanisch angeschrieben, aber aus den Bildern vor dem Eingang und dem, was die Leute drin tun, schließe ich: Selber-Grill-Lokal. Also gehe ich rein.

Wie ich eintrete verstummen die Gäste. Aber die Wirtsleute lächeln, also setze ich mich nieder. Ich deute aufs Bier und auf einen Zettel, der über der Bar hängt, und auf dem Fleisch zu sehen ist. Der Wirt und die Wirtin strecken beide ihre Zunge heraus und tippen auf die Spitze. Ich denk mir, was soll schon sein, so scharf kanns nicht sein und nicke. Sie lächeln wieder und gleich drauf steht das Bier vor mir.

Taang
Der Grill wird angezündet, ich bekomme Stäbchen und eine kleine Schale mit Soße und kurz darauf kommt ein kleiner Teller mit dünn geschnittenem, schön marmoriertem Fleisch, von dem ich gleich zwei Schnitten auf den Grill lege. Während das Fleisch brutzelt, kommt die Begleitung eines anderen Gastes zu mir und fragt: „You speak English?“ Als ich bejahe, zeigt auch sie auf ihre Zunge und fragt: „How do you say this?“ Ich sage „taang“ und sie und alle anderen im Lokal wiederholen laut „Aahh, TAANG, hai!“


Ich habe also Zunge auf dem Grill, und was soll ich sagen: ich hatte Zunge ja eher als etwas Zähes in Erinnerung, aber diese hier ist wunderbar weich und saftig. Während wir alle essen, „plaudern“ wir ein bißchen und ich bekomme geeisten Sake kredenzt. Auch sehr lecker, aber eigentlich koreanisch, die Frau des Meisters ist aus Korea. Als meine Zunge aufgegessen ist, frage ich, was der Wirt weiter empfehlen würde. Er deutet auf seinen Rücken, ich nicke. Er deutet auf seinen Bauch, ich lehne ab, an der Wand hängen auch Bilder von Kutteln, und so weit geht meine Abenteuerlust heute doch nicht. Sie deuten aufs Preisschild an der Wand, ich nicke wieder und genieße hervorragendes Rindfleisch, so weich, dass man es eigentlich gar nicht mehr auf den Grill legen müsste.


Mein Job wärs ja nicht, aber der Wirt hat kein schlechtes Leben. Alle paar Minuten schneidet er ein paar Scheiben Fleisch auf, seine Frau schenkt das Bier aus und serviert Griller und Teller auf und ab, da bleibt viel Zeit, um mit den Gästen japanischen Schmäh zu führen. Und entgegen aller sonstigen Ruhe geht´s bei den paar Leuten im Lokal ganz schön rund.


So wirklich satt bin ich zwar noch nicht, aber irgendwann denke ich mir, lass ma´s gut sein.

Ich bedeute, dass ich zahlen möchte, stehe auf, und bedanke mich wortreich für das gelungene Abendessen. Ich denk mir, auch wenn sie das Englisch nicht verstehen, die Geste wird schon ankommen. In der Tat, die Wirtsleute lächeln und verbeugen sich, der Adidas-Mann, der den Sake spendiert hat, spurtet vor die Tür und verabschiedet mich mit Händeschütteln und tiefen Verbeugungen. Wir verbeugen uns beide mehrfach, freuen uns und lächeln uns an.



Nara

Ausflug nach Nara, eine Stadt knapp 40 Minuten von Osaka und Kyoto entfernt, berühmt für seinen Buddha-Tempel und den umliegenden Park. Nachdem heute in Japan Feiertag ist, bin ich nicht ganz allein unterwegs. Aber auch mit weniger Leuten würde sich wieder einmal bewahrheitet haben, was ich schon ein paarmal erlebt habe: je „berühmter“ eine Sehenswürdigkeit ist, desto weniger kann sie oft.





Ich fand den Buddha hier zB weit weniger imposant als den liegenden Buddha im Wat Pho in Bangkok. Was beeindruckend war, ist die Größe und Imposant des ihn umschließenden Gebäudes. Es soll noch größer gewesen sein, bevor es nach einem Brand neu aufgebaut wurde, und es ist jetzt immer noch groß.





Wer durch dieses Loch paßt, hat gute Chancen aufs Nirvana

Viel beeindruckender war zB ein kleiner Tempel / Zen-Garten in Kyoto, der nur kurze Zeit im Jahr geöffnet ist und sonst für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Dort war wirklich etwas zu spüren, hier ist es halt groß und auf Beeindruckung aus.

Doppelt ungewöhnlich
Am Weg zum Park fällt mir noch etwas auf: hier hört und sieht man endlich einmal Motorräder. Man könnte ja meinen, daß Japan eigentlich voller Hondas, Yamahas, Suzukis und Kawasakis sein müßte, aber weit gefehlt. Man sieht Mopeds und Roller, aber auch von denen nicht allzu viele, Maschinen über 500cc sind aber eine Seltenheit. Und noch seltener sind dann natürlich Harley Davidsons ...


Sonntag, 28. April 2013

Watashi wa Osaka ga suki desu!

Kyoto style girls
Ich bin heute in Osaka angekommen, ist ja quasi nur eine S-Bahn-Fahrt von Kyoto entfernt (der Shinkansen würds in 15 Minuten fahren, die Express-Schnellbahn braucht halt 40 Minuten dafür).

Kaum bin ich aus der S-Bahn draußen, gefällt mir Osaka auch schon. In Kyoto war ja alles ein wenig bedächtig, fein ziseliert, nobel. Hier in Osaka fühlt sich´s irgendwie räudiger (was man in Japan halt darunter verstehen kann) an und das tut gut. Osaka hat eine lebendige, gute Energie!

Suppenküche a la Osaka
Mein Hotel ist smack bang in der Mitte des Einkaufs-, Shoppings- und Ausgehviertels, nachdem es in der Nähe eines großen Bahnhofs liegt, war (ist) es vermutlich auch ein bissl rotlichtig und Yakuza-gesteuert, aber endlich ist Leben auf der Straße! Stellenweise erinnert es mich an Hong Kong, nur halt deutlich sauberer, was sonst.


Lobster and Asahi go well together
Post-existenzialistische Modepunks




What!? You don´t like my Japanese Schnitzel !?!
High boots
Vor dem Shopping im "Forever 21": eine Stunde in der Warteschlange
Apropos Sauberkeit: ich beginne schon die japanischen Hygienestandards zu internalisieren. Wenn ein Klo keine eingebaute Hinterndusche und beheizten Sitz hat, werde ich schon unrund. Bilder folgen.

Der letzte Tag in Kyoto hatte dann noch eine angenehme Überraschung zu bieten. Nachdem ich den vielgerühmten Goldenen Tempel (Kinkaku-ji) schon nett, aber nicht so übertoll gefunden hatte, bin ich am späten Nachmittag doch noch einmal in das alte Stadtviertel gegangen, das ich an einem anderen Tag im Vorbeifahren nicht so toll gefunden hatte.

Der Goldene Tempel
Fotografieren des Goldenen Tempels
Richtiges tempeln
Walk the (temple) dogs
Und siehe da, kaum geht man von der Hauptstraße weg in ein paar Seitengasse, wird es wirklich total anders. Kleine Holzhäuschen, enge Gassen, alte Leute, spielende Kinder und einmal ums Eck auf einmal vor einem aufragend die Pagode eines Tempels.



Hidden beetle, garagiert
In einigen Gassen wird mir auch klar, warum sich die Japaner in der Getreidegasse in Salzburg so wohl fühlen: es ist ein ganz ähnliches Gefühl, alt, klein, schön hergerichtet und Shops, Shops, Shops. An anderer Stelle erinnert mich die Szenerie an Grinzing, auch nicht die schlechteste Connection.

Gasslwerk (1)
Gasslwerk (2)





Und zum Abschluss in Gion gibts noch eine echte Geisha, wenns mit dem Geisha-Tanz schon nicht hingehauen hat!

Geisha, vermutlich echt