Es regnet wieder. Die Temperaturen sind zwar mittlerweile erträglich, aber meine Begeisterung für Japan will immer noch nicht so recht wachsen.
Ich habe mir ja ein Apartment genommen, und lebe recht japanisch: ich kaufe mir das Essen im nahen Supermarkt, setze mich dann auf die Matte vor dem kleinen Tischlein (so ziemlich dem einzigen Möbelstück, das den Namen verdient) und esse Sushi, Reis und Hühnchen. Dazu gibt es ein nicht näher identifiziertes Getränk aus der Dose, das nach Zitrone und Alkohol schmeckt.
Wenn es Zeit zum ins Bett gehen ist, hole ich den Futon aus dem Schrank, rolle ihn aus und lege mich drauf. Erwähnenswert dabei ist, dass der Futon etwa 2 (zwei!) Zentimeter dick ist und die Härte des Bodens nur unwesentlich mildert. Die erste Hälfte der ersten Nacht habe ich daher auch etwas gelitten, aber seitdem schlafe ich hervorragend!
Gestern war ich in einem Kabuki-Theater. Fotografieren während der Vorstellung war nicht erlaubt und auf Youtube habe ich jetzt auf die Schnelle nichts gefunden, was Kabuki kurz und bündig erklärt (es gibt aber einige längere Clips zum Stichwort „Kabuki theater“ oder „Kabuki Kyoto“ für die Interessierten unter Euch).
Kabuki kann seine Verwandtschaft zur chinesischen Oper nicht verleugnen (ich weiß allerdings nicht, wer wen mehr beeinflusst hat), aber es ist weniger schrill. Sehr bunt, sehr kunstvoll, Schauspiel, Bewegung / Tanz und Musik sind verbunden und als Spezialität des Kabuki gilt, dass das Publikum hin und wieder Anfeuerungsrufe auf die Bühne schreit, um die Schauspieler zu besonderen Leistungen anzuspornen.
Das Publikum war in drei Gruppen geteilt: erstaunlich wenige Touristen, sehr viele Schulklassen und ein guter Teil, nicht nur älterer JapanerInnen, wo vor allem Frauen in traditioneller Kleidung erschienen sind.
Der erste Teil der Vorstellung wurde mir ein wenig lang, weil zwar ausführlich die unterschiedlichen Elemente des Kabuki erklärt wurden, allerdings wie so of, nur auf japanisch. Im zweiten Teil wurden dann ausgewählte Szenen aus berühmten Stücken gegeben, und das hatte dann schon einen gewissen Sog.
Eine bunte, kühle Strenge im Bühnenbild, davor die Musiker genau so platziert, dass sie zwar geordnet, aber nicht symmetrisch erscheinen. Haltung und Gesichtsausdruck absolut konzentriert, das Zusammenspiel präzise, die Tänzer wechseln sich ab und haben natürlich die perfekte Körperbeherrschung. Der Unterschied zu Laien wurde vor der Pause deutlich, wo Freiwillige aus dem Publikum in traditionelle Kostüme gekleidet wurden und dann auf der Bühne unter Anleitung (eher einfach erscheinende) klassische Posen einnehmen sollten. Ich vermute, dass die Ausbildung zum Kabuki-Tänzer wie hier üblich auch Jahre oder Jahrzehnte in Anspruch nimmt.
Ich war ja in der Spätvorstellung (Beginn 15.00 Uhr, die erste Vorstellung war um 11.00 Uhr), also bin ich danach noch ein wenig durch das Viertel rund ums Theater geschlendert. Mich hats ein bissl an die Getreidegasse erinnert, superschöne Geschäfte, alles japanisch perfektest präsentiert, aber … Ich weiß nicht, was „aber“, aber es hat mich auch nicht wahnsinnig begeistert.
Neben dem Wetter, das das Spazieren ein wenig fad macht, ist es auch der Mangel an Eindrücken für das Auge: alles ist piekfein, sauber, geordnet, da bleibt man einfach nirgends hängen. Gleichzeitig ist fast nichts auf englisch angeschrieben, man ist also auch immer „draußen“ und kann oft nur raten, was das ist, was da liegt und verkauft werden möchte.
Heute nachmittag gehe ich in eine cooking class, vielleicht bekomme ich dort ja einen besseren Zugang zu Japan!





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