Dienstag, 31. Dezember 2013

Kein Salto in Salta?

Ich bin in Salta, es ist 21.30 Uhr am 31.12. und ich habe noch keinen einzigen Kracher gehört. Schauen wir einmal, wie es sich weiter entwickelt hier. Ich habe ja den Verdacht, dass die Argentinier wie auch sonst alles ein wenig später machen und daher würde es mich nicht wundern, wenn die Neujahrsfeierlichkeiten erst um 3.00 Uhr früh beginnen würden (dann aber ohne mich) ...

Gestern habe ich von Cafayate aus einen Ausflug in die Quebrada de las Conchas gemacht und es war wirklich eindrucksvoll. Eindrucksvoll, aber, um wieder aufs Thema zu kommen, ein bissl zu spät. Die Abfahrt erst um 15.30 Uhr macht ja Sinn, weniger Hitze und schöneres Licht am späten Nachmittag, aber warum muss man dann bis 21.00 Uhr, wenn man eh schon fast nix mehr sieht, sehr gemächlich noch drei weitere Stellen besuchen, mögen sie auch noch so schön sein? Ich versteh die Argentinier nur sehr eingeschränkt, aber egal. Schön wars, und die Flasche Salta (das örtliche Bier, wie üblich im 970ml Gebinde) hat nach all dem Staub dann sehr gut geschmeckt!


Wasseranschluss
Agua con gas 
Salat, gibts immerhin schon um 21.00 Uhr 
Estofado de cabrito - nicht schlecht, aber auch nicht grad umwerfend.
Trotz großen Hungers spät am Abend.
Der Kommissar lebt!
Hauptplatz in Cafayate. Irgendwie finde ich Kleinstädte gerade sehr schnuckelig
Mehr Tiere auf den Bau!
Eine Anregung für meine Architekten-FreundInnen?
Montags geschlossen

In der Quebrada de las Conchas












Und gleich zwick ich ihn ...








El Sapo - die Kröte






Schon ein bissl dunkel fürs Sightseeing. Nicht für Argentinier.

P.S.: mittlerweile ist es 22.30 und man hört ganz vereinzelt ein paar Kracher. Aber immer noch sehr ruhig. Ihr habt es ja schon hinter Euch, dennoch wünsche ich noch un Feliz Año Nuevo!

Samstag, 28. Dezember 2013

Tafi del Valle und das argentinische Essen

Gestern und vorgestern bin ich wieder im Bus gesessen, jeweils zwischen 9 und 10 Stunden. Am Anfang haben mich die langen Busreisen ja noch eher unrund werden lassen (zB in Patagonien), mittlerweile habe ich den Dreh heraußen: man muss einfach schauen, einen Sitz in der besseren Klasse zu bekommen („Cama“, „Suite“ oder „Ejecutivo“), kostet nur 15-20% mehr als die „Semi-Cama“, ist aber um ein Vielfaches bequemer.

On the road in Argentina
Wieder einmal ein paar Kilometer Weinanbau

Nur drei Sitze pro Reihe, kein Gerangel mit dem Nachbarn um Bein- oder Ellenbogenfreiheit, und man kann die Sitze fast waagrecht zurück stellen. Dann braucht es nur noch ein bissl Proviant für die lange Reise und ein gutes Buch und es fühlt es sich an, als würde man in einer Wiege durch Argentinien geschaukelt.

Kleine Überflutung

In derart kommoder Umgebung hat man dann auch die Muße und Entspannung zum lesen; wenn einen die Müdigkeit übermannt, macht man ein kleines Nickerchen und lässt sonst die Landschaft an sich vorbei gleiten. Sehr meditativ. Ach ja, und ein WC gibt es sowieso in jedem Bus, denn sonst müsste man die Meditation für andere Dinge einsetzen ...

Da gibts eine Geschichte dazu, die mir Ulli auf der Weinverkostung erzählt hat,
ich hab sie nur leider grad nicht mehr präsent ... 
Am frühen Abend. Könnte auch in Afrika sein.
Nein, doch nicht, der Reisekomfort spricht dagegen

Tafi del Valle liegt knapp unter 2000 Metern hoch und bietet damit vor allem eins: Kühle. Die Landschaft finde ich nett, aber nicht besonders eindrucksvoll, der Ort selbst ist ein bissl wie Kitzbühel, nur ohne gescheite Berge und ohne Prominenz. Und statt der Tiroler Folklore gibt es Indio-Artesanalia. Gut, denke ich mir, mache ich halt Urlaub wie die Argentinier. Und für die Argentinier gehört zum Urlaub gut essen eindeutig dazu.

Tafi del Valle

Da traf es sich gut, dass ich eh seit drei Tagen nichts warmes mehr im Magen hatte und habe mich daher am Abend erwartungsfroh kurz nach 19.00 Uhr aus dem Haus begeben. Nur: um 19.00 Uhr haben die meisten Lokale noch gar nicht offen, und die, die offen haben, sind menschenleer und vielleicht einmal dabei, den Grill anzuheizen. An einem Restaurant waren dankenswerterweise die Öffnungszeiten angeschrieben: 12.00 bis 16.00 Uhr und 20.00 bis 04.00 Uhr. Na Mahlzeit.

Ein Restaurant in der Hauptstraße, 21.30 Uhr
Offenbar rechnen sie schon noch mit Gästen ...

Also habe ich wieder umgedreht und mir zu Brot, Wurst und Käse noch eine Dose Erbsen gekauft (zwegns der Ballaststoffe) und hab mir im Boden einer abgeschnittenen Wasserflasche damit einen warmen Erbsensalat gemacht. Denn Geschirr gab es keins im Hotel. Dazu einen Tannat von Don David, war auch sehr gschmackig.

Raum ist auf dem kleinsten Tischerl

Am nächsten Morgen wollte ich eine kleine Wanderung zu den Menhiren einer alten Indio-Kultur etwa 10 km von hier machen, musste dieses Vorhaben aber aufgrund einsetzenden Sonnenbrands (trotz Lichtschutzfaktor 50) vorzeitig abbrechen und war daher gegen 13.30 Uhr wieder zurück in Tafi. Um diese Zeit sind die Restaurants nicht nur geöffnet, sondern auch gut besucht. So habe ich auf Empfehlung des Wirtes eine Picana gegessen (ich würde sagen, dass es sich dabei um das Äquivalent einer Beiriedschnitte gehandelt hat) und diese hat vorzüglich gemundet. Allerdings musste ich mich danach umgehend hinlegen, für die Nachmittagsbeschäftigung war damit auch gesorgt ...

An der Ausfallsstraße von Tafi
Am Weg zu den Menhiren
Der lokale Fußballplatz
Schafe bei der Siesta. Ich hab sie beim Vorbeigehen fast übersehen.
La Picana. Kein Schaf von vorhin.

Summa summarum würde ich meine bisherige Erfahrung mit der argentinischen Küche so zusammenfassen: wenn es sich zeitmäßig ausgeht, sehr gut, aber tendenziell viel zu große Portionen und einfach zu den falschen Zeiten für mich. Zum Glück kann man Brot, Wein und Würschtel auch zeitunabhängig genießen!

Am Rückweg nach Tafi
Nice piece of heaven