Dienstag, 10. Dezember 2013

Dem Eis beim Brechen zusehen

Vorgestern bin ich von Puerto Natales nach Argentinien herüber gefahren, nach El Calafate. El Calafate wirkt gar nicht so "am Ende der Welt" wie das Punta Arenas und Puerto Natales im chilenischen Patagonien taten. Ich denke, es liegt an zwei Dingen: erstens scheint hier die Sonne und damit ist es gleich angenehm warm und zweitens haben sie hier einfach viele Bäume gepflanzt, so könnte man sich (zugegeben, nur mit einiger Phantasie) vorstellen, in einem modernen italienischen Fremdenverkehrsort zu sein. Vielleicht kommt diese Phantasie auch nur daher, dass mir Diego, ein chilenischer Student im Bus neben mir, erklärt hat, dass diese Argentinier (im Gegensatz zu den Chilenen) halt so "italienisch" sein, immer auf ihr Aussehen bedacht, mit singendem Spanisch und halt viel "südländischer" als die (deutschen und krowodischen) Chilenen ...  

Weihnachten vor der Tür in El Calafate
Ein echter Gaucho

Heute habe ich den ganzen Tag damit verbracht, dem Eis am Perito Moreno beim Brechen zuzusehen. Ich weiß schon, dass der Fachterminus dafür „kalben“ ist, wenn ein Gletscher Teile von sich abstößt, aber für mich paßt das Bild vom Kalben nicht wirklich.

Am Weg zum Perito Moreno
Das im Hintergrund isser
Und das von ein bissl näher dran

Nur ein kleiner Spritzer

Perito Moreno ist zuallererst einmal eine imposante Erscheinung. An seinem Ende, das praktischerweise gleich einer Landzunge gegenüberliegt, von wo man ihm ins Auge schauen kann, ist er im Schnitt mehr als 70 Meter hoch und etwa 5 km breit. Und er ist einer der wenigen Gletscher, der wächst, und zwar nicht gerade langsam (die zwei Meter am Tag, die ich wo gelesen habe, kann ich aber nicht ganz glauben). Anyway.

Auf diesen Wegen wird man zu den verschiedenen Aussichtspunkten geführt
Ein Eishai?


Calafate sind Beeren, deren Genuß garantieren soll, dass man hierher zurück kommt.
Erstens habe ich keine gesehen und zweitens schien mir das inhärente Suchtpotential zu kostspielig.

An einem sonnigen Tag wie heute kann man sich schon einmal ein paar Stunden dabei verlieren, ihn von verschiedenen Seiten zu betrachten und seinen akustischen Äußerungen zu folgen. Manchmal grunzt er, meistens knallt er, und bei jeder Geräuschentwicklung versucht man natürlich sofort zu erkennen, ob und wo sich vielleicht gerade ein kleines oder größeres Stück löst und mit Tosen und Krachen in den Gletschersee stürzt.







Das Warten auf DEN großen Moment kann natürlich an den Nerven zehren. Aber unerschütterliche Jäger legen sich stundenlang (naja, vielleicht nicht ganz ...) auf die Lauer.

Wait for it ...
Wait for it ...!
Wait for it ...!!!
Irgendwann ist es dann so weit. In natura ist es aber eindrucksvoller.
Ich hätte ja auf den getippt, aber hat sich gehalten
Herr Tourist, halte still

Morgen sitze ich wieder acht bis 10 Stunden im Bus zurück nach Punta Arenas, mit einem Blogeintrag ist also vermutlich nicht vor übermorgen zu rechnen. Noch ein paar Tage, und ich kann endlich wieder länger schlafen als bis 6.00 Uhr ...

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