Mittwoch, 25. Dezember 2013

Christmas in Mendoza

Nach dem Frühstück habe ich heute einen Spaziergang durch das menschenleere Mendoza gemacht. Es ist wie bei uns: ab dem frühen Nachmittag des 24.12. kommt das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen, es haben nur mehr ganz vereinzelt Geschäfte und Wirtshäuser offen und es wird sehr ruhig.

Wenig los, am 25.12. in Mendoza
Dezent weihnachtlich dekoriert. Zum Glück keine fetten, goldenen Engerl weit und breit 



Allerdings ist der Kontrast zur vorweihnachtlichen Hektik hier sehr viel geringer als bei uns. Denn während bei uns am 24.12. alle noch wie deppert durch die Gegend hetzen, war davon hier nichts zu spüren. Es mag ein bissl an den Temperaturen liegen, bei 35 Grad hetzt es sich vielleicht nicht so gut wie rund um den Gefrierpunkt, aber es war jedenfalls so, dass ich (und alle rund um mich) sehr viel entspannter waren als es um dieselbe Zeit in Österreich der Fall gewesen wäre.

Ich hab die Mammographie gemacht. Und ihr?
Noch einmal: wenig los in Mendoza
Selbst Otto hat zu
Auch der Schnitzelkönig gönnt sich eine Pause
Nicht einmal ein Würschtl gibts
Auch kein Muzzarella-Datschgerl. Was immer das auch wäre.

Der Tiroler ist auch nicht im Gschäft 

Die Weihnachtsruhe wird am 24.12. um Mitternacht kurz unterbrochen, denn dann gibt es hier Feuerwerk und Knallkörper. Wir waren grad noch beim Digestif und haben wenig davon gesehen, zu hören war es aber sehr gut. Unser Guide auf der Weintour hat erzählt, dass man sich typischerweise am Abend im Familienkreis trifft, bis etwa 2.00 Uhr früh isst und trinkt und danach gehen die Jüngeren dann noch bis zum Morgengrauen weg. Irgendwie auch gut, dass ich nicht mehr zu den (ganz) Jungen zähle, denn um halb zwei bin ich dann schon ganz gern ins Bett gegangen ;-)

Life can be good.

Die Wine Tour am 23.12. war sehr nett. Am Anfang stand zwar eine kleine Enttäuschung für mich: ich war der erste, der vom Hotel abgeholt wurde und José, unser Guide, hat gemeint, dass wir nur zu viert unterwegs sein würden. Beim Aufklauben der restlichen Teilnehmer kam dann als erstes eine gut aussehende Frau zum Bus, die mich auf deutsch begrüßte und meinte, ihre zwei Mädels würden noch kurz brauchen. Hab ich mir gedacht: naja, einen Tag lang mit drei Damen Wein verkosten, das kann ja durchaus nett werden! Die Ernüchterung hat sich dann aber schon vor dem ersten Achtel eingestellt, als sich die zwei „Mädels“ als zwar noch recht jugendlich-sportliche, aber doch schon etwas ergraute Männer heraus gestellt haben. Es ist dann aber trotzdem noch ein sehr guter Tag geworden!





Unser Ziel war das Uca Valley, etwa eine Fahrstunde südlich von Mendoza. Man fährt den Anden entlang nach Süden und bei klarer Sicht sieht man einige Fünf- und Sechstausender, der Aconcagua ist allerdings von hier aus nicht zu sehen. Die Gegend ist sehr flach und weitläufig und bis zum Schluss habe ich das mit dem „Valley“ nicht ganz verstanden, aber irgendwo werden schon ein paar Bacherl fließen, nach denen man das dann als Tal bezeichnen kann.

Nicht grad feucht hier.


Die Weingüter fühlen sich ganz etwas anders an als die, die ich aus Österreich kenne. Ich hatte keine Zahlen zu den österreichischen Produktionsvolumina im Kopf, aber als José erzählte, dass die Weingüter, die wir besuchen würden, mit ihren zwei Millionen Flaschen im Jahr eher zu den kleinen der Branche gehören, hatte ich schon den Verdacht, dass wir uns hier in einer etwas anderen Dimension bewegen. Am Abend im Hotel habe ich nachgeschaut und die Anbauflächen rund um Mendoza sind etwa dreieinhalb mal so groß wie alle Weinanbauflächen in Österreich zusammen genommen. Vielleicht können mir die Winzertöchter und -schwestern unter meinen LeserInnen bei Gelegenheit einmal sagen, wieviele Flaschen der familieneigene Betrieb so produziert ...?






Fassprobe. Ein exzellenter Cabernet Franc.

Die Weine, die wir zu verkosten bekamen, waren jedenfalls alle ein Erlebnis. Natürlich schmecken einem nicht alle gleich gut, aber die Bandbreite war überraschend. Manche Weiße waren sehr resch und spritzig, andere wiederum samtig, die Roten natürlich tendenziell schwerer, mit viel Tannin, aber auch nicht alle. Besonders angetan hatte es mir ein Rosé gleich am ersten Gut (Bousquet), gerade im Sommer gut gekühlt super zu trinken. Was die Weine gemeinsam hatten: kein einziger hatte weniger als 13% Alkohol, manche auch bis zu 15%. Das liegt schlicht daran, dass Mendoza eine sehr trockene Gegend mit sehr viel Sonnenschein und Wärme ist und daher die Trauben entsprechend viel Zucker aufweisen.


José und Paula


Ich hab auch viel über den geschmacklichen Unterschied von französischer,
amerikanischer und argentinischer Eiche gelernt. Ich hatte ja keine Ahnung!



Was bei mir auch angekommen ist: die Weingüter sind sehr professionell aufgezogen. Manche sind natürlich auch alte Familienbetriebe, aber viele scheinen auch mit Know How, Geld und Einsatz aus Frankreich, Spanien etc. neu aufgebaut worden zu sein. Es ist kein schlechtes Gefühl, sondern einfach anders, wenn man auf ein futuristisches, offensiv mit Kunst ausgestattetes Weingut kommt und nicht zu einem Familienbetrieb irgendwo in Langenlois, dem Burgenland oder der Südsteiermark. Es fehlt das Heimelige, dafür bietet es einen Kitzel, den ich noch nicht ganz benennen kann, der aber auch etwas hat.




Zum Abschluss ein später Lunch
Unter dem Kreuz des Südens
Lomo. Gut, ist mir aber nach all dem Wein und der Wärme
 ein bissl im Magen gelegen 
Der Weinkeller mit dem größten möglichen Lagerungsvolumen
in ganz Argentinien. Derzeit eher zurückhaltend gefüllt (nur 2000 Fässer ...) 

Kunst im Keller
Und jetzt ein kleines Schlaferl auf der Rückfahrt

Am Abend war ich jedenfalls rechtschaffen müde und habe für den kommenden Tag keine zweite Tour mehr gebucht, sondern bin am Abend mit Ulli, Martin und Klaus einfach gut italienisch Weihnachtsessen gegangen. Feliz Navidad!

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