Dienstag, 25. Februar 2014

Fremd sein in Floridsdorf

So. Jetzt bin ich wieder da. Der Rückflug war OK, auch wenn das Service in der Iberia unter jeder S... ist. Madrid war kalt und grau, dafür der Empfang in Wien warm und herzlich. Danke!

Madrid. Kalt und eher grau
Leider nur ein Hauch von Asien


Und danke auch fürs sonnige Wetter, auch wenn ich seit einem Jahr zum ersten Mal wieder kalte Füße habe!

An der Plaza España
Windig
Ein spanischer Illy. Bueno.

Jetzt fahre ich dann in meine Wohnung und schaue, ob die Heizung anspringt und werde mich ans Eingewöhnen machen. Irgendwie mag ich noch nicht drüber nachdenken, wie es sein wird, wieder (fast) jeden Morgen im selben Zimmer aufzuwachen, nicht einfach den Koffer zu packen und weiter an den nächsten Ort zu fahren und zu schauen, wie es dort so ist.

Am Rückflug den Alpen entlang

Wie es sein wird, wieder der zu sein, den man kennt und nicht der, der von irgendwo her kommt und irgendwo hin fährt. Wobei, vielleicht schaffe ich es ja, mir einen Teil davon zu erhalten?
Es kann sein, dass ich in den kommenden Tagen / Wochen noch das eine oder andere hier poste, das mir beim Aufräumen unterkommt und den Weg in den Blog noch nicht gefunden hat (so wie die diese Jungs aus der U-Bahn in Rio hier):




Ansonsten ist dieser Blog hiermit offiziell beendet. Ist ja keine Wurscht, leider.

Ein herzliches thank you, khop khun khrap, xie xie, arigatou, gamsahamnida, gracias & obrigado an alle meine Leserinnen und Leser, danke für Eure Feedbacks und Komplimente!

Last Exit Vienna


Das Wissen, dass einige von Euch am Morgen gleich einmal nachgeschaut haben, ob es was Neues in meinem Blog gibt, hat mir nicht nur einmal noch den notwendigen Tritt versetzt Anreiz gegeben, mich doch noch hinzusetzen, den Tag Revue passieren zu lassen und zu versuchen, das im Blog zu dokumentieren. Gut so!


Muito obrigado!

P.S.: jetzt bin ich grad in meine Wohnung gekommen, die Heizung ist sofort angesprungen, aber ich fühl mich noch ein bissl fremd hier ...

Montag, 24. Februar 2014

Nur noch schnell nach Niteroi und schon ist ein Jahr vorbei ...

Wo ist bloß das letzte Jahr hin? Wie ich vorhin in Rio am Flughafen gestanden bin und noch einmal zurück geschaut habe, hat es sich angefühlt, als wäre ich grad gestern erst nach Mumbai geflogen. Dass ich immer weiter reisen könnte, ist an sich eh nichts wirklich Neues für mich. Und auch wenn ich mich schon freue, jetzt bald wieder bekannte Gesichter zu sehen, könnte ich ohne Probleme bald wieder meinen Koffer packen ... Blöderweise lässt sich damit nur schlecht ein Lebensunterhalt verdienen und auch wenn ein Freund gemeint hat, ich könnte doch meinen Blog einfach kostenpflichtig machen, ließe sich damit vielleicht die Fahrt von Floridsdorf nach Hütteldorf finanzieren, einfache Fahrt. Und was mach ich dann in Hütteldorf?

Auf der Fähre von Rio nach Niteroi
Bridge over untroubled water
Niemeyers? Ich weiß es nicht

Anyway, der heutige Tag war ein schöner Abschluss. Ich habe meinen Freund Roberto besucht, der jetzt in Niteroi wohnt (das liegt 20 Minuten mit der Fähre auf der anderen Seite der Bucht). Ich war ja etwas erstaunt, das zu hören, denn er ist durch und durch ein Carioca, was auch bedeutet, dass für ihn ein richtiges Leben außerhalb Rios ja eigentlich nicht vorstellbar ist. Des Rätsels Lösung ist seine Gattin, die aus Niteroi stammt und da die Kosten für eine Wohnung in Niteroi maximal die Hälfte dessen kosten, was man relativ weit vom Zentrum Rios bezahlt, war das dann offenbar Argument genug für den Umzug.

Aber das ist ein Niemeyer, das Museum für Modernen Kunst, kurz MAC
MAC hebt ab




Roberto hat mir die Vorzüge Niterois aufgezählt (ruhiger, entspannter, weniger Verkehr und doch alles, was man so braucht) aber ich hatte den Eindruck, dass das alles, ohne Rio weiterhin vor der Haustür zu haben, im Endeffekt nichts gezählt hätte. Ich hab Niteroi nett gefunden, es gibt einen alten Kern, nette Buchten mit Fischerbooten, einen Museumsbau von Niemeyer und vor allem auch schöne Strände. An einem davon wohnt Roberto in einer sehr schönen großen Wohnung, keine 20 Meter vom Strand und das um den wohlfeilen Preis von 150.000 Euro.

Auf der anderen Seite steht auch ein Fort, und damit kann man böswillige Eindringlinge
(zB die Franzosen) schön in die Kanonenzange nehmen
Idyllisch

Im Vordergrund Niteroi, im Hintergrund Rio
Roberto wohnt auf der Landzunge im rechten Teil des Bildes

Nachdem wir ein spätes Mittagessen zu uns genommen haben, waren wir dann noch eine Stunde am Strand und ich nachdem es schon gegen 16.00 Uhr war, habe ich nicht einmal einen Sonnenbrand bekommen. Fotos gibts vom Strand aber keine, da wir, ganz brasilianischer Stil, außer Handtuch, Badehose und Sessel nichts mitgenommen haben, was von Wert gewesen wäre. Dann hat mir Roberto noch ein Taxi organisiert und ich bin sehr entspannt, wenn auch etwas traurig, zum Flughafen gefahren.

Als dieses Tandem gestartet war ...
... haben sie in die Runde geschaut und gefragt, wer denn als nächstes möchte 
Ich hab kurz überlegt, ...
... mir aber dann gedacht:
das kann ich beim nächsten Besuch auch noch machen
Roberto beim Essen. Ich hätte das Foto ja vor vollem Teller machen sollen,
aber da waren wir beide (ich vor allem) etwas abgelenkt. Aber wie immer:
sehr gschmackig.

Samstag, 22. Februar 2014

Rio zickt

Rio hat mich heute nicht wirklich wollen. Erst bin ich nach Leblon gefahren, wo von 10.00 bis 14.00 ein großer „bloco“ hätte stattfinden sollen. Ich war kurz nach Mittag dort, es gab Bier und Wasser und eine Menge junger, schöner, teils verkleideter, teils halb nackter junger Menschen, aber keine Spur von Musik. Nach einer Dreiviertelstunde hab ichs dann aufgegeben, und hab mir gedacht, fahr ich halt zum Corcovado und schau mir die Stadt noch einmal von oben an.

Bloco in Leblon




Der Bus hat mehr als eine Stunde dorthin gebraucht, aber ich hab ja keinen Stress. Als ich um 14.00 Uhr eine Karte für die Bahn auf den Corcovado kaufen will, schaut die Verkäuferin im Computer nach und meint, da ich allein sei, könne sie mir schon für 15.40 Uhr einen Platz anbieten. Als ich sie gefragt habe, ob sie ernsthaft meint, dass ich jetzt mehr als eineinhalb Stunden hier warten soll, war sie irgendwie verwundert.

Ein anderer bloco in der Nähe des Corcovado


Hab ich mir gedacht, gut, ich nütze die Chance und fahre zum Maracanã, das hab ich (im Gegensatz zum Corcovado) eh noch nicht gesehen und vielleicht erwisch ich ja sogar eine Führung, dann kann ich bei der WM ein bissl protzen. Also steig ich in ein Taxi und sag „Estadio Maracanã“. Der Fahrer fährt los und ich warte, dass er den Taxameter einschaltet. Als er das nicht tut, frage ich nach und er sagt „40 Reais“. Sag ich nein, ich will Taxameter. Erst als ich beim nächsten Stopp die Tür aufmache, schaltet er den Taxameter ein, allerdings auf Modus „2“, das ist der Nachttarif. Als ich ihn frage, warum er denn den Nachttarif einschaltet, sagt er „Carneval“. Sag ich ihm, dass er sich das in die Haare schmieren kann und mache wieder die Tür auf. Auf einmal geht doch auch Normaltarif. Er murmelt irgendwas auf Brasilianisch, das definitiv nicht nach einem Kompliment klingt, darauf frage ich ihn, warum er so ein Arsch ist. Das Wort scheint er zu kennen, denn er fragt mich, ob ich Deutsch spreche und ich sage ja, ob er mir denn vielleicht noch sagen wolle, warum er so blöd herum zickt. Darauf bekomme ich keine Antwort mehr.

Während ich noch überlege, wie ich jetzt verfolgen kann, ob er nicht durch kreative Streckenwahl doch auf seine 40 Reais oder mehr kommt, fängt er auf einmal an, SMS zu schreiben, aber ohne auch nur mit einem Auge auf die Straße zu schauen. Entsprechend führt seine erratische Fahrweise zu einem Hupkonzert rundherum. Da reicht es mir, ich geb ihm ein bissl weniger, als am Taxameter steht und bin draußen. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich ihm gar nix hätte geben sollen, denn das war so ziemlich das einzige negative Erlebnis mit einem Taxler bisher in Brasilien, wenn nicht auf der ganzen Reise.

Back in Leme (Copacabana)



Anyway, der Ärger hat nur kurz angehalten, schließlich war die Alternative ja auch nicht gerade schlecht: rein in den nächsten Bus, mit der Metro zurück ins Hotel und an der Copacabana ein Bier trinken. Man könnte es schlechter haben ...!

Müllstrudel


Nachdem ich am späten Nachmittag einen Strom von Besuchern wahrgenommen habe, die alle in eine Richtung marschiert sind, bin ich da auch noch hin gegangen. Es war natürlich auch wieder ein bloco und eine typische Samba-Show habe ich wieder nicht gesehen, aber dafür war die vorabendliche Stimmung am Strand sehr angenehm. Irgendwie kann ich mir vorstellen (wenn ich 20 Jahre jünger wäre), daß es ganz cool ist, vom Vormittag an von einem bloco zum nächsten zu fahren, zu trinken, zu tanzen und mit Freunden Schmäh zu führen. Leider bin ich dafür halt mittlerweile ein bissl alt, aber als Abendspaziergang habe ich es sehr nett gefunden.

Und, nicht ganz unwesentlich, ich bin fitter als mein Turnschuh! Der hat heute nämlich seinen Geist aufgegeben:

Letzte Züge. Danke für die guten Dienste.

Freitag, 21. Februar 2014

Copacabana und Ipanema

Irgendwie konnte ich mich heute nur mehr sehr begrenzt motivieren. Einerseits ist die Reise gleich zu Ende, andererseits habe ich seit zwei Tagen immer wieder ziemlich unklare Bauchbeschwerden und Kopfschmerzen. Vielleicht will mein Körper einfach noch nicht wieder nach Hause?

Nach der Ankunft im Hotel bin ich jedenfalls die Copacabana hinunter spaziert und dann hinüber nach Ipanema. Rio ist einfach eine Stadt am Strand, das definiert sie und so scheinen sich auch ihre Bewohner zu definieren (zumindest jene, die sich am Strand zeigen).

Copacabana mit dem historisch geschützten Wellenmuster
Noch 111 Tage bis zur WM
Avenida Atlantico
Copacabana Palace. Wollt ich mir dann doch nicht leisten.



Neben den vielen schönen, braungebrannten und gestählten Körpern sieht man ab und zu aber auch andere. Leider habe ich sie nicht kommen sehen und die Kamera gerade wieder weg gepackt, aber das Gegenprogramm war mehr als sehenswert: drei junge Burschen (also ungefähr in meinem Alter) kamen nebeneinander die Strandpromenade entlang stolziert. Alle drei braungebrannt und jeder eine Mörderwampe vor sich her tragend. Und auch wenn ich ein Zniachterl dagegen war, denen hätte ich mich gerne angeschlossen!

Die Fußballjugend. Sport am Strand.

Dusche duscht.

Gleich hinter dem Strand, genauer gesagt zwei bis drei Blocks vom Strandboulevard weg, ist der Stadtteil Copacabana aber ziemlich herunter gekommen. Nicht einmal mehr Touristenläden, sondern versiffte kleine Supermärkte, abgefuckte Eckkneipen und eine Klientel, die sehr danach aussieht, als würde sie ihr eigentliches Gewerbe erst nach Einbruch der Dunkelheit aufnehmen. Die Ladyboys, die mir hier begegnet sind, würde man, im Gegensatz zu Thailand, aber nur schwerlich mit schönen Frauen verwechseln.

Schnee! Endlich!!

Ipanema. Ohne Girl.
Ipanema

Ein paar Mal hab ich mir heute gedacht, wie es wohl in den früher 60er Jahren hier gewesen wäre, in der Zeit, als das Girl from Ipanema hier zum Strand gegangen ist. Heutzutage ist mir fast ein bissl zu viel Verkehr, aber wenn ich mir die Musik anhöre, sehe ich sie wieder vorbei gehen:

Olha, que coisa mais linda,
Mais cheia de graça,
É ela, menina, que vem e que passa,
Num doce balanço, a caminho do mar.
Moça do corpo dourado,
Do sol de Ipanema,
O seu balançado
É mais que um poema
É a coisa mais linda
Que eu já vi passar



Idyllisch, doch dann ...
Wonderwoman ..!!?
Waaahhh!! Ich brauch Astrud Gilberto, und zwar sofort!!!

Morgen werde ich mich auf die Suche nach den „blocos“ machen, die jetzt in der Schlussphase ihres Trainings für den Carneval sind. Ich muss ja kurz vor Beginn des Carnevals zurück fliegen, jetzt verstehe ich auch, warum alle späteren Flüge im Februar schon ausgebucht waren.