Samstag, 22. Februar 2014

Rio zickt

Rio hat mich heute nicht wirklich wollen. Erst bin ich nach Leblon gefahren, wo von 10.00 bis 14.00 ein großer „bloco“ hätte stattfinden sollen. Ich war kurz nach Mittag dort, es gab Bier und Wasser und eine Menge junger, schöner, teils verkleideter, teils halb nackter junger Menschen, aber keine Spur von Musik. Nach einer Dreiviertelstunde hab ichs dann aufgegeben, und hab mir gedacht, fahr ich halt zum Corcovado und schau mir die Stadt noch einmal von oben an.

Bloco in Leblon




Der Bus hat mehr als eine Stunde dorthin gebraucht, aber ich hab ja keinen Stress. Als ich um 14.00 Uhr eine Karte für die Bahn auf den Corcovado kaufen will, schaut die Verkäuferin im Computer nach und meint, da ich allein sei, könne sie mir schon für 15.40 Uhr einen Platz anbieten. Als ich sie gefragt habe, ob sie ernsthaft meint, dass ich jetzt mehr als eineinhalb Stunden hier warten soll, war sie irgendwie verwundert.

Ein anderer bloco in der Nähe des Corcovado


Hab ich mir gedacht, gut, ich nütze die Chance und fahre zum Maracanã, das hab ich (im Gegensatz zum Corcovado) eh noch nicht gesehen und vielleicht erwisch ich ja sogar eine Führung, dann kann ich bei der WM ein bissl protzen. Also steig ich in ein Taxi und sag „Estadio Maracanã“. Der Fahrer fährt los und ich warte, dass er den Taxameter einschaltet. Als er das nicht tut, frage ich nach und er sagt „40 Reais“. Sag ich nein, ich will Taxameter. Erst als ich beim nächsten Stopp die Tür aufmache, schaltet er den Taxameter ein, allerdings auf Modus „2“, das ist der Nachttarif. Als ich ihn frage, warum er denn den Nachttarif einschaltet, sagt er „Carneval“. Sag ich ihm, dass er sich das in die Haare schmieren kann und mache wieder die Tür auf. Auf einmal geht doch auch Normaltarif. Er murmelt irgendwas auf Brasilianisch, das definitiv nicht nach einem Kompliment klingt, darauf frage ich ihn, warum er so ein Arsch ist. Das Wort scheint er zu kennen, denn er fragt mich, ob ich Deutsch spreche und ich sage ja, ob er mir denn vielleicht noch sagen wolle, warum er so blöd herum zickt. Darauf bekomme ich keine Antwort mehr.

Während ich noch überlege, wie ich jetzt verfolgen kann, ob er nicht durch kreative Streckenwahl doch auf seine 40 Reais oder mehr kommt, fängt er auf einmal an, SMS zu schreiben, aber ohne auch nur mit einem Auge auf die Straße zu schauen. Entsprechend führt seine erratische Fahrweise zu einem Hupkonzert rundherum. Da reicht es mir, ich geb ihm ein bissl weniger, als am Taxameter steht und bin draußen. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich ihm gar nix hätte geben sollen, denn das war so ziemlich das einzige negative Erlebnis mit einem Taxler bisher in Brasilien, wenn nicht auf der ganzen Reise.

Back in Leme (Copacabana)



Anyway, der Ärger hat nur kurz angehalten, schließlich war die Alternative ja auch nicht gerade schlecht: rein in den nächsten Bus, mit der Metro zurück ins Hotel und an der Copacabana ein Bier trinken. Man könnte es schlechter haben ...!

Müllstrudel


Nachdem ich am späten Nachmittag einen Strom von Besuchern wahrgenommen habe, die alle in eine Richtung marschiert sind, bin ich da auch noch hin gegangen. Es war natürlich auch wieder ein bloco und eine typische Samba-Show habe ich wieder nicht gesehen, aber dafür war die vorabendliche Stimmung am Strand sehr angenehm. Irgendwie kann ich mir vorstellen (wenn ich 20 Jahre jünger wäre), daß es ganz cool ist, vom Vormittag an von einem bloco zum nächsten zu fahren, zu trinken, zu tanzen und mit Freunden Schmäh zu führen. Leider bin ich dafür halt mittlerweile ein bissl alt, aber als Abendspaziergang habe ich es sehr nett gefunden.

Und, nicht ganz unwesentlich, ich bin fitter als mein Turnschuh! Der hat heute nämlich seinen Geist aufgegeben:

Letzte Züge. Danke für die guten Dienste.

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