Mittwoch, 17. April 2013

Muito obrigado!

Macau ist ein lustiges Gemisch. Goldblinkende Casinos, alte portugiesische Architektur, dazwischen Straßenzüge, in denen man glaubt, man sei wieder zuhause in Europa - oder zumindest in einem europäischen Teil Brasiliens - und dann doch überall das Rot und Gold und Leuchten, das so typisch chinesisch ist.

Mit roß-weiß-rot fährt man doch gerne

Ja, eh ... 
Die Anreise von Hongkong mit dem Boot war unaufregend, wenn auch überraschend gut gefüllt. Ich muss erster Klasse fahren, wenn ich nicht noch eineinhalb Stunden auf eines der nächsten Boote warten möchte (trotz Abfahrten alle 15 Minuten!). Dann geht’s eine Stunde durch den Nebel und auf einmal steht neben Chinesisch und Englisch alles auch noch auf portugiesisch angeschrieben. Passt, versteh ich eh auch (wenn auch sicher nicht so gut wie Freund R. mittlerweile!).

Vom Ferry Terminal nehme ich einen der unzähligen Gratisbusse, die Besucher direkt zu einem der Casinos fahren. Ich wähle das Grand Lisbon. Wenn schon, denn schon, denk ich mir. Unter den schon etwas aufgedreht wirkenden Chinesen fühle ich mich zwar etwas deplatziert, aber dem geschenkten Gaul … Ich hatte mir überlegt, dass ich vielleicht für ein paar Hundert HK-Dollar bzw. einige hundert MOP$ (Macau Patacas) spielen würde (ich hätte so gern Geld gemopst :-)), spiele dann aber doch nicht, (nicht einmal responsibly) weil es viel spannender ist, den Spielern an den Tischen zuzusehen.



Schwer zu übersehen

Auch hier: die lucky number
Is eher wurscht

Ich frage gar nicht, ob fotografieren erlaubt ist - würde ich mich nie trauen! Gar zu fotografieren, wenn einer der Spieler mit vollster Konzentration die Karte (ich stehe gerade an einem Black Jack table) Millimeter für Millimeter aufbiegt und sie dann entweder mit Triumphgeste dem Croupier vor die Finger wirft oder - deutlich leiser in Akustik und Körpersprache - sie umdreht und versucht, irgendwie seine Enttäuschung zu überspielen. Je höher der Turm an Jetons vor dem Spieler schon ist, desto mehr Zuschauer und Mitfieberer (mich inclusive) stehen rund um den Tisch und sehen entweder nur zu oder setzen selbst (allerdings meist etwas kleinere Türmchen). Und ich bin ja nicht verrückt, mir vorwerfen zu lassen, dass ich durch das Klicken der Kamera womöglich die Göttin des Glücks verscheucht habe!

Auffällig ist: viele rauchen, aber niemand trinkt Alkohol. Und alle sind voll auf das Spielen fokussiert. Auf einer Bühne, fast in Blickweite, mühen sich ein paar blonde, geschätzte 1,90 Meter große, langbeinige Europäerinnen an den Poles ab (wie sagt man pole dancing auf deutsch?), aber es interessiert keine Sau. Ich schau kurz zu und würde verstehen, wenn sie es nicht besonders gut oder gar erotisch finden würden, denn es wirkt eher unbeholfen, aber ich glaub, das ist es nicht. Nachdem Macau der einzige Ort in China ist, an dem Spielen offiziell erlaubt ist, kommen einfach Scharen an Festlandchinesen hierher, um zu gambeln. Es hat daher auch nicht die (vermeintlich) verruchte und drogenschwangere Atmosphäre von Las Vegas, auch nicht den Stil und den Luxus, den ich mir zB in den Casinos von Monaco vorstelle.

Als ich genug gesehen habe, spaziere ich aus dem Grand Lisbon hinaus in den älteren Teil der Stadt, so ungefähr in die Richtung, in der ich eines der zentralen Wahrzeichen von Macau vermute, die Ruine von St. Pauls. Ich komme durch Straßen, die wirklich in jeder europäischen Stadt liegen könnten, hier sieht man aber auch die Folgen des ansteigenden chinesischen Tourismus: im Lonely Planet wird noch vom Macau-spezifischen Essen geschwärmt, das eine Mischung aus portugiesisch, chinesisch, afrikanisch und indisch sein soll. Alles was ich sehe, sind viereckige Fleisch-Flecken in unterschiedlichen Würzungen, und davor Trauben von verkostenden Chinesen. Ich hätte ja gerne galinha africana probiert, Hendl mit Kokosnuss, Chilli und Knoblauch, habs aber nirgendwo gesehen. Wenn ich wüßte, wie die chinesischen Schriftzeichen dafür aussehen, hätte ich in den weniger touristischen Bezirken vielleicht ein Chance gehabt, aber so - nada.












Posing vor St. Pauls 
Chinese Honeymoon Suite 
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Als es leicht zu regnen beginnt und die Luftfeuchtigkeit wirklich intensiv wird (lt. Wikipedia im Schnitt > 85%), flüchte ich mich ins Macau Museum. Das zwar nicht umwerfend spannend, aber dafür klimatisiert. Und nachdem das Wetter nach dem Museum auch nicht besser ist und ich zu essen auch nichts gscheits bekomme, denk ich mir, gut, dann fahrma halt wieder ham. Zufällig bin ich wieder beim Grand Lisbon gelandet (fast hätte ich es übersehen!), dann lass ich mich halt wieder vom Zubringerbus zur Fähre bringen.

Friendship Bridge
Für mich war es jedenfalls ein billiger Tag, bis aufs Fährenticket hab ich kein Geld ausgegeben. Ate logo!

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