Abends gehe ich außer Haus, um mir etwas zum Essen zu suchen. Eigentlich peile ich den Din Taifung an, ein taiwanesisches Lokal, in dessen Schwesterlokal ich in Hong Kong vorzüglich gegessen habe. Und siehe da, die hiesige Niederlassung ist wieder nur zwei Minuten zu Fuß von hier (habe ich schon erwähnt, daß ich right in the middle of things bin?). Leider schaut mich das Lokal und auch die ausgestellten Speisen nicht besonders an, also spaziere weiter.
Irgendwann komme ich an einem Ecklokal vorbei, acht Sitze, fünf besetzt. Es ist zwar alles nur auf japanisch angeschrieben, aber aus den Bildern vor dem Eingang und dem, was die Leute drin tun, schließe ich: Selber-Grill-Lokal. Also gehe ich rein.
Wie ich eintrete verstummen die Gäste. Aber die Wirtsleute lächeln, also setze ich mich nieder. Ich deute aufs Bier und auf einen Zettel, der über der Bar hängt, und auf dem Fleisch zu sehen ist. Der Wirt und die Wirtin strecken beide ihre Zunge heraus und tippen auf die Spitze. Ich denk mir, was soll schon sein, so scharf kanns nicht sein und nicke. Sie lächeln wieder und gleich drauf steht das Bier vor mir.
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| Taang |
Der Grill wird angezündet, ich bekomme Stäbchen und eine kleine Schale mit Soße und kurz darauf kommt ein kleiner Teller mit dünn geschnittenem, schön marmoriertem Fleisch, von dem ich gleich zwei Schnitten auf den Grill lege. Während das Fleisch brutzelt, kommt die Begleitung eines anderen Gastes zu mir und fragt: „You speak English?“ Als ich bejahe, zeigt auch sie auf ihre Zunge und fragt: „How do you say this?“ Ich sage „taang“ und sie und alle anderen im Lokal wiederholen laut „Aahh, TAANG, hai!“

Ich habe also Zunge auf dem Grill, und was soll ich sagen: ich hatte Zunge ja eher als etwas Zähes in Erinnerung, aber diese hier ist wunderbar weich und saftig. Während wir alle essen, „plaudern“ wir ein bißchen und ich bekomme geeisten Sake kredenzt. Auch sehr lecker, aber eigentlich koreanisch, die Frau des Meisters ist aus Korea. Als meine Zunge aufgegessen ist, frage ich, was der Wirt weiter empfehlen würde. Er deutet auf seinen Rücken, ich nicke. Er deutet auf seinen Bauch, ich lehne ab, an der Wand hängen auch Bilder von Kutteln, und so weit geht meine Abenteuerlust heute doch nicht. Sie deuten aufs Preisschild an der Wand, ich nicke wieder und genieße hervorragendes Rindfleisch, so weich, dass man es eigentlich gar nicht mehr auf den Grill legen müsste.

Mein Job wärs ja nicht, aber der Wirt hat kein schlechtes Leben. Alle paar Minuten schneidet er ein paar Scheiben Fleisch auf, seine Frau schenkt das Bier aus und serviert Griller und Teller auf und ab, da bleibt viel Zeit, um mit den Gästen japanischen Schmäh zu führen. Und entgegen aller sonstigen Ruhe geht´s bei den paar Leuten im Lokal ganz schön rund.
So wirklich satt bin ich zwar noch nicht, aber irgendwann denke ich mir, lass ma´s gut sein.
Ich bedeute, dass ich zahlen möchte, stehe auf, und bedanke mich wortreich für das gelungene Abendessen. Ich denk mir, auch wenn sie das Englisch nicht verstehen, die Geste wird schon ankommen. In der Tat, die Wirtsleute lächeln und verbeugen sich, der Adidas-Mann, der den Sake spendiert hat, spurtet vor die Tür und verabschiedet mich mit Händeschütteln und tiefen Verbeugungen. Wir verbeugen uns beide mehrfach, freuen uns und lächeln uns an.
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