Mittwoch, 8. Januar 2014

Rosario

Ich bin heute in Buenos Aires angekommen. Der erste Eindruck war: freundlicher als erwartet und nicht so heiß wie befürchtet. Letzteres dürfte daran gelegen sein, dass es gestern hier ziemlich geregnet haben dürfte (hab ich übers Fernsehen mitbekommen) und ein paar Ausläufer haben ja auch in Rosario für ziemliche Abkühlung gesorgt.

Irgendwo

Aber jetzt am Abend bin ich nach dem Essen noch ein wenig herum spaziert, und da hat sich der Eindruck wieder ein bissl verdüstert. Nach dem, was man so liest, soll es in Buenos Aires ja ein beachtliches Nachtleben geben, aber ich kann nur sagen: hier bei mir in der Gegend ist es am Abend an der Grenze zur Trostlosigkeit, obwohl es eine Fußgängerzone und einige Lokale gleich ums Eck vom Hotel gibt.

Das nennen sie hier Pizza Roma

Rosario war als Stadt auch nicht so viel ergiebiger. Am Abend des Ankunftstages war es sehr heiß und feucht und die Empañadas, die ich wieder einmal versucht habe, waren nicht schlecht, aber auch wahrlich kein Essen, das bei mir Glückshormone ausstößt. Eine Samosa ist im Prinzip dasselbe, nur um viele Ecken schmackhafter.

Blick aus dem Fenster in Rosario.
Da kann man auch im Bett bleiben

Dass sich das Wetter am 7.1. von Sonnenschein am Morgen zu Regen ab dem späten Vormittag entwickelt hat, hat mich gar nicht so gestört. Denn abgesehen davon, dass das Zimmer sehr laut war (Rosario war die eindeutig lärmigste Stadt bisher in Südamerika. Immer noch ein Klacks gegen so ein richtig indisches Chaos, aber dennoch fast zuviel), war es mir gar nicht unrecht, den Tag im Bett zu verbringen, emails zu beantworten und dazwischen ein bissl fernzusehen und Siesta zu halten.

Am Busbahnhof. Ein schönes Beispiel für die
"Verwendung" von Anführungszeichen 

Am Abend bin ich dann in ein Lokal gegangen, in das auch Messi, der große (kleine) Sohn der Stadt offenbar gerne geht, wenn er im Lande ist, und das für seine Steaks gerühmt wird. Es war keine Enttäuschung, aber das Steak bei den Fetten Kühen in Santiago war eindrucksvoller. Ich habe zwei Hypothesen dazu: einerseits baut sich bei mir unwillkürlich ein gewisser Erwartungsdruck auf, wenn ich bis 21.30 Uhr warten muss, bis sich vor mir ein Teller mit Essbarem materialisiert. Und zweitens haben die Argentinier die Tendenz, ihre Steaks ein bissl zu sehr zu braten / grillen (das liest man auch im Internet immer wieder), wodurch sie nicht so saftig sind, wie sie vielleicht sein könnten.


21.15 Uhr. Zwei Tische besetzt.
21.35 Uhr: der Salat kommt. Ordentlich.
21.50 Uhr: das Steak
21.53 Uhr: es könnte saftiger sein. Dabei hab ich extra "jugoso" bestellt.

Heute am Nachmittag im Hotelzimmer hatte ich noch einen überraschenden Gedanken: bin ich vielleicht deswegen froh, in Buenos Aires zu sein, weil ich damit Argentinien jetzt abhaken kann? Denn eines muss ich sagen: so schön es landschaftlich an einigen Punkten ist (Patagonien, die Anden, der Nordwesten), dazwischen breitet sich bei mir ein bestimmtes Gefühl aus, und das heißt: Langeweile.

Vielleicht kommt die Langeweile daher, dass es beim Reisen wenig Herausforderungen gibt; dass ich mich halbwegs verständigen kann (aber auch nicht so gut, dass ich wirklich weiter gehende Konversationen führen könnte); dass das Essen gut, aber nicht umwerfend ist; dass die Städte viel Vertrautes und wenig Aufregendes haben? Ich kanns nicht genau sagen, ich merke nur, dass ich die Hoffnung habe, dass ich in Brasilien noch einmal intensivere Eindrücke finde als hier.

Ach ja, und ich wurde noch darauf hingewiesen, dass ich natürlich ein furchtbarer Fußballbanause bin, da ich nicht einmal erwähnt habe, dass Mario Kempes, der glorreiche Sohn Cordobas und Torschützenkönig der WM 1978, dessen Namen das Stadion in Cordoba seit einigen Jahren trägt, seine Karriere bei ein paar österreichischen Zniachtel-Vereinen beendet hat. Ich streue symbolische Asche auf mein Haupt und bekenne, was eh jeder weiß: ich bin ein großer Fußball-Banause. AdG!

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