„This is a very fine number, Sir, is it not?“ Der Satz kommt mir in den Sinn, als ich beim nächsten SIM-Card-Verkäufer sitze. Die Telefonnummer ist nämlich tatsächlich dieselbe, die mir ein anderer Verkäufer kurz zuvor gezeigt hat. Aber der Reihe nach.
Gleich ums Eck vom Hotel ist eine große Shopping Mall und der Mann an der Rezeption hat mir bestätigt, dass ich dort eine indische SIM-Card kaufen kann. Ich marschiere also los, im Kopf das Bild der hell erleuchteten, bunt-sterilen Telekom-Shops, wie ich sie von zuhause kenne. Es stellt sich schnell heraus, dass es diese (zumindest in dieser Mall) nicht gibt und dass jene Shops, die Bilder von iPhones, Samsungs und Nokias im Schaufenster ausstellen, bei weitem nicht jenes erwartbare Angebot aufweisen, das zum Beispiel Leo, der Handyshop gleich neben meiner Wohnung in Wien, locker überbietet (Leo handelt nicht nur mit gebrauchten Handys und bunten Accessoires sondern auch mit Waschmaschinen und Kühlschränken).
Nach mehreren Anfragen, die mir negativ beschieden werden, lande ich in einem Shop, der SIM-Cards verkauft. Allerdings nur von Locomo, ich möchte aber Airtel. Airtel hat er aber nicht, Locomo sei doch auch super. Als ich auf Airtel bestehe, zieht er auf einmal doch einen Airtel-Werbefolder heraus und bedeutet er mir, mich zu setzen. Einige Minuten später kommt ein schlaksiger Typ und legt ihm wortlos zwei Airtel-PrePaid-Packerl auf die Budel. Der Verkäufer inspiziert sie und erklärt mir, dass das 2GB-Pakete für 30 Tage seien. „And look, Sir, both have very fine numbers, do they not?“ Nach einer kurzen Diskussion (ich will ja eigentlich nur 1GB), stimme ich zu (2GB kosten 6,50 Euro anstelle von 3,50 Euro für 1GB, also wurscht).
Er aktiviert sie, zeigt mir, dass sie funktionieren und wir schließen das Geschäft ab. Als es ans Zahlen geht, werden aus den 451 Rupien auf einmal 1451 Rupien. Ich bin erstaunt. Wo kommen die 1000 Rupien denn her? Er zuckt mit den Schultern. Na gut, denke ich mir, dann halt nicht.
Ein Stockwerk tiefer finde ich das nächste Geschäft (es hat sogar ein großes Airtel-Schild über der Tür). Ja, natürlich habe er Airtel und zeigt mir denselben Werbefolder wie der Verkäufer im vorangegangenen Geschäft. Ich frage, ob da noch was dazu komme, Aktivierungsgebühr oder so. Ja, 1400 Rupien, das sei „Indian Government Regulation“. Mit einem 1 GB Paket mache das dann 1655 Rupien. Ich ziehe ein Schnoferl und meine, das sei aber ein bissl viel. „OK, I can give you discount“, und tippt auf seinem Rechner herum: 1145 Rupien. Ich nicke. Er telefoniert. Als er dabei vors Geschäft geht und mit einem Typen zu reden beginnt, der sich hinter den Verkaufsartikeln des Nachbarladens versteckt, beginne ich zu verstehen. Er ist wahrscheinlich groß und schlaksig.
Der erste Verkäufer wollte noch ganz offiziell Passkopie, Kopie vom Visum und Passfoto von mir (so stehts auch im Internet geschrieben), der zweite war ob meiner Frage nach diesen Dingen eher verwirrt (und ich werde auch nichts davon heute noch benötigen). Die SIM-Karten sind „pre-activated“ und ich frage lieber nicht nach, von wem und wozu. Die +/- 1000 Rupien sind der Aufpreis dafür, dass man keine Bürokratie hat und die Karte sofort und nicht erst nach der Aktivierung verwenden kann, die unterschiedlichen Reiseberichten zufolge mehrere Stunden oder Tage dauern kann.
Ich zahle also, bekomme die SIM-Card gleich auch noch (für einen kleinen Aufpreis) auf Micro-SIM zusammengestutzt und gehe zufrieden aus dem Geschäft.
Ich schalte das Telefon ein und öffne das Emailprogramm. 17 Emails von Euch! Die 1000 Rupien sind gut angelegt :-)
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