Ich fahre gerade aus Thiruvananthapuram heraus, der Hauptstadt von Kerala, und es ist wunderbar :)
Zugfahren in Kerala: Entspannung zum Quadrat!
Der Zug ist dem Bus nämlich in Sachen Entspannung und Bequemlichkeit meilenweit überlegen. Busse fahren zwar öfter und sind auch deutlich günstiger (2 € für eine Distanz von sechs Stunden), dafür aber auch unbequemer. Durch den Fahrtwind sind sie zwar auch angenehm temperiert, aber wenn die Straßen nicht sehr, sehr gut sind (und das waren sie bisher nur auf einer einzigen Fahrt, das war fast schon German Autobahn feeling), rumpelts und staubts halt schon recht.
Die A/C Sleeper Class (2nd) ist zwar auch indisch in der Anmutung, aber das Fahrgefühl ist luxuriös. Angenehme Kühle, an jeder Station die Gelegenheit zu einem kleinen Imbiß und wenn man aufs Klo muss, geht man einfach. Leider sind die Züge auch sehr schnell und meist schon einige Tage im Voraus ausgebucht, was für die kurzfristige Reiseplanung dann doch oft wieder heißt: Bus. Beeindruckend sind die Züge allein schon durch ihre Länge: Railjet Zwutschgerl dagegen.
Der zweite Teil der Entspannung lautet: Kerala.
Kerala ist halb so groß wie Österreich, liegt mit 34 Mio. Einwohnern in Indien damit aber nur an zwölfter Stelle in der Bevölkerungsdichte. Seit den 50er Jahren hatte Kerala eine demokratisch gewählte kommunistische Regierung, seit den 80er Jahren wechselt sich eine linke Koalition mit einer Koalition um die National Congress Party ab. Kerala hat mit über 95% die höchste Alphabetisierungsrate in ganz Indien und liegt beim Human Development Index (HDI) gleichauf mit westlichen Industrienationen.
Diese statistischen Fakten heißen in der Realität: keine Slums, keine Bettler, Rikscha-Fahrer, die englisch sprechen und wissen, wo Österreich liegt, gute Infrastruktur, freundliche Leute. Da trifft es sich für den Tourismus hervorragend, dass es auch noch die Backwaters und Hill Stations, schöne Strände, gutes Essen und Ayurveda gibt. Die zwei Tage in Thiruvananthapuram waren jedenfalls die ruhigsten und entspanntesten bisher :))
Und wer jetzt glaubt, dass Kerala vielleicht gar nicht mehr in Indien liegt, hat Recht: bei meiner ersten Rikschafahrt drückt der Fahrer doch ungefragt auf den Knopf und das Taximeter beginnt zu laufen!! Ich zahl dann doch die Summe, die wir vorher vereinbart haben, aber ich bin die ganze Fahrt über baff. Und flüsterleise ist die Rikscha auch noch ...
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