Samstag, 23. März 2013

PAKISTAN!! HINDUSTAN!!

Die Landschaft am Weg zur Grenze erinnert mich an damals in Pakistan. Grüne, saftige Wiesen, fruchtbares Land, dieselben Bäume, es ist halt eine grenzüberschreitende Region: der Punjab („Fünf Flüsse“). Ich hätte große Lust, nach Lahore, Islamabad, Peshawar weiter zu fahren, aber weder habe ich ein Visum noch bin ich mir sicher, ob ich mich heute in Pakistan auch noch so wohl fühlen würde.

Vor einiger Zeit habe ich einmal Karte von Pakistan gesehen, in der die Gebiete eingezeichnet waren, die von den Taliban beherrscht werden und wo die pakistanische Regierung nur mehr sehr wenig Einfluß hat. Eines der Täler, in dem ich damals länger war, war da auch dabei. Ich bin mir zwar recht sicher, dass die Leute immer noch so freundlich und liebenswürdig sind wie damals (warum sollten sie nicht), aber die radikal-islamistischen Kräfte sind nun einmal stärker geworden. Damals haben sie im Bazar mit den Kalaschnikows hauptsächlich in die Luft geschossen, heute weiß ich nicht, ob nicht ich auch eine Zielscheibe abgeben würde.


Aber was solls, ich bin eh in anderer Mission unterwegs: die indisch-pakistanische Grenze bei Attari-Wagah wird jeden Abend mit einer zeremoniellen Demonstration der jeweiligen Border Security Forces geschlossen. Und dazu fahren von Amritsar die Schaulustigen hin, wie üblich überwiegend InderInnen und ein paar versprengte Touristen.



Es ist alles wohlorganisiert, Abfahrt gleich beim Hotel bzw. Goldenen Tempel. Ich bekomme im Taxi den Ehrenplatz vorne, den ich mir mit einem schätzungsweise 12 bis 14 Jährigen teile, er oszilliert zwischen aufgeregt sein und Coolness. Nach etwa 45 Minuten sind wir am Parkplatz angelangt, den letzten Kilometer geht man zu Fuß. Viele haben indische Fähnchen dabei, immer wieder beginnen Männer etwas zu skandieren, ich verstehe nur einzelne Brocken wie das wiederkehrende „Hindustan!“


Der letzte Abschnitt der Straße zur Grenze ist von einer arena-artigen Konstruktion eingefasst, man passiert gefühlte 17 Checkpoints, Rucksäcke und Wasserflaschen sind verboten, Kameras erlaubt. Wie auch schon an anderen Orten ist auch hier sichtbar: in Indien hat man Erfahrung im Umgang mit großen Menschenansammlungen. Der Umgangston kann dabei durchaus forsch werden, Schlagstöcke und ähnliche Utensilien sind Standard, aber nach Aufforderung wird schnell eine richtige „line“ gebildet.


Und dann beginnt die Show. Erst laufen noch jugendliche Besucher mit großen indischen Flaggen die Straße zum Grenztor auf und ab, es tanzt eine Gruppe weiblicher Zuschauer, aber dann übernehmen die schmucken Jungs in den khakifarbenen Uniformen. Alle sind mindestens 1,90 m groß und scheinen die Show und die Aufmerksamkeit durchaus zu genießen.


Die eine Seite
Die andere Seite

Gegenüber, auf der pakistanischen Seite der Grenze ist die Arena etwas weniger gut besucht, aber die Gesänge kommen durchaus druckvoll herüber. Was will man von Grün-Weiß auch anderes erwarten?

Die Stimmung in der Arena ist wie beim Länderspiel im Happelstadion, hier spielt man halt jeden Tag. In der folgenden Stunde stürmen immer wieder ein einzelne oder eine Gruppe von Grenzschützern auf die gemeinsame Grenze zu und zeigen dort vor den gegnerischen Spielern ihre Fähigkeiten, die aber nicht ganz zu unrecht an das „Ministry of Silly Walks“ der Monty Pythons erinnern. Nach einigem Geschrei, Getanze und Salutieren werden die Fahnen eingeholt und die Grenze mit einem lauten Klescher geschlossen.




Am Heimweg sind BesucherInnen aufgekratzt, die Fressbuden am Weg zum Parkplatz zurück machen ein gutes Geschäft und eine Stunde später bin ich wieder im Hotel. Bei allen Show-Elementen, die heute gezeigt wurden, muß einem schon klar sein, daß sich hier zwei Nachbarn gegenüber stehen, deren Beziehungen nicht unbedingt die besten sind und an deren Grenzen es immer wieder Schusswechsel mit Toten und Verletzten gibt. Das erkennt man auch daran, dass neben den Pfauen auch Bewaffnete mit Knopf im Ohr herum stehen. Bei aller Show, ganz entspannt ist man offensichtlich nicht.


P.S.: Fast wäre es ja dazu gekommen, dass das Ehepaar Weichselmayr und ich uns über die Grenze hätten zuwinken können, aber sie kommen erst in ein paar Tagen nach Lahore.

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