Freitag, 29. März 2013

Tag und Nacht

Eigentlich hätte ich ja eine andere Vorstellung davon, was es bedeutet, die Nacht zum Tag zu machen. Aber wenn der Flug um 5.20 Uhr morgens geht und sie an der Rezeption im Hotel nachdrücklich und unbedingt empfehlen, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, habe ich nach einer kurzen Recherche im Internet (alles ganz fürchterlich, langsam und unfreundlich hier am Mumbai Airport),  dann halt beschlossen, doch nicht erst um 3.00 Uhr, sondern schon um 1.45 Uhr aufzustehen, damit ich um 2.30 Uhr am Flughafen bin. Jetzt ist es 3.30 Uhr, ich sitze schon am Gate, weil Check-In, Immigration und Security alles war wie immer, schon viele Leute, aber im Rahmen. Und jetzt hat mein Flug eineinhalb Stunden Verspätung, estimated departure: 6.40 Uhr.

Also drei Stunden Zeit, um noch einmal auf die letzten vier Wochen zurück zu blicken.

Trivandrum
Vier Wochen?? Es kommt mir schon ewig vor, dass ich aus Wien abgeflogen bin, gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich zwar viel gesehen habe, aber vier Wochen lange nicht genug sind, um einzutauchen. Andererseits: will ich wirklich eintauchen? Nach einem Tag (oder auch nur einem halben) habe ich es immer sehr genossen, in einem (halbwegs ruhigen) Hotelzimmer die Tür hinter mir zu zumachen und den Lärm, die Hitze, das Chaos draußen zu lassen. Oder am Pool zu liegen und mir ein Kingfisher zu einem Preis servieren zu lassen, von dem „draußen“ eine wenig begüterte Familie wahrscheinlich eine Woche leben könnte.

Incognito
Für mich sind es die Unterschiede, die Indien ausmachen. Es kann furchtbar anstrengend sein, dann aber auch wieder ganz easy. In der Zeitung sind stolz darauf, dass die Zahl der indischen Milliardäre unter den 100 (oder waren es 1000?) reichsten Menschen auf der Welt wieder angestiegen ist, gleichzeitig ist die Armut nicht verschwunden. Sie ist vielleicht weniger sichtbar als noch vor 20 Jahren, wo Leute am helllichten Tag in Mumbai im Rinnstein krepiert sind, aber sie ist genauso Teil der indischen Welt wie der Reichtum. Klimatisierte Luxuskarossen, Rikschas und überfüllte Züge sind nur ein Chappati weit voneinander entfernt und doch getrennte Welten.  

Street-worker
Colaba, Mumbai
Mittlerweile kannst Du fast alles schon übers Internet buchen (Flüge, Busse, Hotels, Züge), aber kaum kommt man aus den Städten raus, sieht das Leben ganz anders aus. Aber das habe ich mehr oder weniger nur aus dem Vorbeifahren mit bekommen. 
Über den Verkehr habe ich eh schon einmal länger geschrieben. Während in Europa der Verkehr über visuelle Signale geregelt wird, passiert dies in Indien über das Hören. Ein Motorradfahrer hat zB einmal unseren Fahrer in Rajasthan fast beschimpft, weil dieser ihn nicht angehupt hatte, als er mit seinem Motorrad ohne zu schauen kurz vor unserem Auto in unsere Fahrspur eingebogen ist. Dass die indische aber nicht nur eine auditive Kultur ist, wird spätestens bei Festen wie Holi klar. 

Gateway of India
Dieses Mal hat Indien weit weniger intensiv gerochen. Ich kann nicht sagen, woran es liegt, und meine Nase funktioniert noch: sowohl beim Essen als auch beim gelegentlichen Gestank in der Stadt, aber es fehlte irgendwie dieser bestimmte Geruch, der vielleicht von den offenen Feuern kam und sich mit den anderen Gerüchen vermischt hatte. 

Colaba, Mumbai
S-Bahn, entspannt, Mumbai
S-Bahn, aucht entspannt, Mumbai
Das Essen war wieder ganz wunderbar. Eine Geschmacksexplosion in den einfachsten Gerichten, je billiger, desto überraschender. Umgerechnet um einen Euro bekommt man die wunderbarsten vegetarischen Gerichte, wenn es Essen dieser Qualität auch in Österreich gäbe, könnte ich auf Leberkäse, Schnitzel und Schweinsbraten gerne verzichten. Ich habe nicht vor, Vegetarier zu werden, aber ich merke, dass mir das vegetarische Essen körperlich gut tut. Wenn dann nur die Mutton Kebabs oder die Kathi Rolls so gut wären!

Kathakali, Kochi
Essenstechnisch geht meine Reise ja gut weiter, next stop: Thailand! Zumindest Bangkok bietet ja auch noch ein wenig Lärm und Chaos, wenn auch schon deutlich abgeschwächter. 

Und ein paar Mal, wie ich so in einer Autorikscha gesessen bin, habe ich mir gedacht: so mitten drin zu stecken, in den Abgasen, dem Hupen, den sich zwischen den Autos, Bussen und Rikschas sich durchschlängelnden Leuten ist zwar nicht unbedingt idyllisch, aber ich werde es vermissen!

Final resting place


2 Kommentare:

  1. Dachte ich mir doch, dass du nicht wirklich aus Salzburg bist. Die Hotelrechnung hat's ans Tageslicht gebracht. Du alter Asserbaidschaner du!

    LG, Manfred E.

    AntwortenLöschen