Seit gestern bin ich in Kerala. Meine Ohren freuen sich, sogar die Auto-Rikschas sind hier im Flüsterton unterwegs!
Die letzten Tage war ich ziemlich viel im Bus unterwegs, habe viel geschwitzt und mir dabei auch irgendwo einen Schnupfen eingefangen. Zwar ginge auch ein Leben ohne Aircondition, aber, samma sich ehrlich, es ist schon angenehmer mit.
Eine kurze Rückschau auf die vergangenen Tage.
Sehenswürdigkeiten
Ich habe viele Tempel gesehen in der letzten Zeit, einige waren sehr beeindruckend (zB Chidambaram, Tharanjur), andere weniger aufregend (Pondy, Tiruchirappalli, Madurai). In Kanyakumari hat mich gleich am Eingang des Tempels ein sympathischer älterer Brahmane abgefangen, mir das Shirt ausgezogen (alle Männer müssen vor dem Betreten des Tempels ihren Oberkörper entblößen) und mich - gegen eine kleine Spende versteht sich („Puja, for the gods!“) - in gefühlten drei Minuten an allen Warteschlangen vorbei durch den Tempel geschleust, inclusive Ölopfer, Segnung mit einem Milch-Salzwassergemisch und traditionelle Stirnbemalung (Fotos folgen wenn ich eine bessere upload-Verbindung habe). Angesichts der Hitze war mir das aber gar nicht mal so unrecht.
Mariazell
Kanyakumari ist der südlichste Punkt Indiens und es war standesgemäß heiß. Es ist eine Touristenattraktion (vor allem für indische Touristen, Westler sind in der absoluten Minderzahl), aber auch ein bedeutende Pilgerstätte. Schon in aller Herrgottsfrühe reiht sich Bus an Bus an der Zufahrtsstraße und die Insassen sind augenscheinlich schon lange unterwegs gewesen. Die Zugänge zu den Tempeln sind mit Buden aller Art verrammelt, und hab mich in dem Rummel und dem blinkenden Krimskrams immer wieder an Mariazell erinnert gefühlt.
Busfahren
Die ersten Etappen bin ich ja noch sehr luxuriös mit dem eigenen Chauffeur unterwegs gewesen, dann habe ich mir gedacht, ich schau mal, ob ich mein altes Bustrauma* überwunden habe. Zum Start nahm ich einen Bus von Trichy nach Madurai, bis auf den schlafenden Typen neben mir, der sich immer an mich anlehnen wollte, zwei kommode Stunden. Auch die sechs Stunden von Madurai nach Kanyakumari auf einer erstaunlich gut ausgebauten, vierspurigen Nationalstraße waren vergleichsweise super, nur gegen Ende dann schon ein bissl zach. Gestern von Kanyakumari hierher hättens eigentlich auch nur zwei bis zweieinhalb Stunden sein sollen, geworden sinds dann viereinhalb, weil irgendwo auf der Strecke in einer Kleinstadt eine Umleitung eingerichtet wurde, die alle PKWs, LKWs und Busse im Gegenverkehr über eine Dorfstraße geführt hat, auf der kaum ein Bus gscheit Platz hatte, geschweige denn zwei im Gegenverkehr. Die Ruhe und Gelassenheit der Fahrer und Gäste war eigentlich bewundernswert, ich war dann aber doch ein wenig erschöpft, als ich in Trivandrum angekommen bin. Umso erfreulicher ist, dass ich für morgen endlich ein Zugticket für die Fahrt nach Kochi bekommen habe!
Marketing-Irrtümer
Im „Bombay“ in der Burggasse war das schärfste Curry immer das „Madras Curry“. Ich glaube auch die schärferen Chili-Mischungen wurden (werden?) immer noch als „Madras Curry“ verkauft. Woher diese Marketing-Strategie kommt, weiß ich nicht, sie ist jedenfalls irreführend: die wahre Schärfe ist nicht in Tamil Nadu daheim, sondern weiter nördlich, in Andhra Pradesh. Ist aber auch egal, weil das Essen hier genauso gut ist wie anderswo.
Meine bisherigen Highlights waren Pepper Mushrooms in Trichy, herrlich scharf und würzig (mit Schluckauf!), ein Egg Biryani im Bazar von Pondy und natürlich die diversen Dosas und (für mich) namenlosen Gerichte, die oft aus nicht mehr als Brot und einem Schöpfer wässrigen Gemüsesambars bestehen. Als Grundregel kann gelten: je teurer (sprich: im Hotel), desto weniger spannend finde ich das Essen hier :)
Die Tamilen
Generalisierungen sind natürlich immer ungenau, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute in Tamil Nadu deutlich weicher, sanfter und viel weniger konfrontativ miteinander (und auch mit mir) umgehen als das in anderen Landesteilen der Fall ist. Es wird viel weniger geschrien, mehr gelächelt und öfter zustimmend mit dem Kopf gewackelt; einmal „no, thanks“ reicht in der Regel, und die Guides und Rikscha-Fahrer lassen mich in Ruhe. Der Uniformierte am Busbahnhof mit dem meisten Gold auf der Brust und dem größten Schnurrbart im Gesicht, den ich mit „Sir“ nach dem Weg frage, überschlägt sich fast vor Freundlichkeit. Ob das historische, kulturelle oder andere Ursachen hat, kann ich nicht sagen, aber es macht das Reisen sehr angenehm.
Smoking
„No actor in this movie actively promotes smoking, drinking or the consumption of illegal substances. Smoking is bad for your health and reduces the average lifespan.“
Diese Einblendung kommt in jedem Film, sobald jemand raucht. Es sind zwar eh fast immer die Bösewichter, die sich so asozial verhalten, aber offenbar ist es Teil einer umfassenden Kampagne gegen das Rauchen. Und in der Tat, auf der Straße habe ich kaum jemanden mehr rauchen gesehen. Das ist ein scharfer Gegensatz zu früher, als es an jeder Ecke Beedies zu kaufen gab und das Rauchen zum Alltag gehörte.
Nicht, daß es mich stören würde, im Gegenteil!
Fotos: liefere ich nach, sobald ich eine bessere Internet-Verbindung habe!
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* 28 Stunden über Sandpistenschlaglöcher von Dodoma nach Mwanza in Tanzania, davon 24 Stunden im Stehen. 30 Stunden Kopfschmerz und Übelkeit von Golmud nach Lhasa, über 5000er Pässe mit Motorabgasen im Fahrgastraum. Unzählige Stunden in zu engen, nicht gefederten Ratterkisten von Irgendwo nach Anderswo. Diese Erfahrungen haben sich tief in meine DNA eingegraben.
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