Sonntag, 5. Mai 2013

Hiroshima

Miyajima

Der Ort des Atombombenabwurfs in Nagasaki hat mich mitgenommen, in Hiroshima habe ich nichts gespürt. Gleich gegenüber vom Atom Bomb Dome hat am Kanalufer eine HULA-Gruppe getanzt, und das gar nicht schlecht! Zum Fotografieren war ich dann aber doch ein bissl zu weit weg.

Einst
The Atomic Bomb Hula?
Nach dem HULA

In Fukuoka und Kagoshima war schon auch viel los, aber in Summe harmlos. Die Masse an Leuten in Miyajima hat mich dann aber ein bissl überfordert. Das Torii in Miyajima steht bei Flut im Wasser - nur dann war es früher den einfachen Leuten erlaubt, den Tempel auf der Insel zu besuchen. Die Fotos vom Torii, das quasi auf dem Wasser schwebt sind weltberühmt, und entsprechend groß war dann gestern auch der Andrang!





Rund um den Tempel wars ja OK, da ist genug Platz, aber der Weg von der Fähranlegestelle zum Torii ist gesäumt von Andenkenstandeln, Oyster-Bars und anderen Fressständen. Das war zuviel des Guten, ich hatte nicht einmal Lust, die Austern zu probieren.

Miyajima Oysters
Zurück in Hiroshima war dann auch die Bim vom Bahnhof zum Atom Bomb Dome und Peace Park bis zum letzten Fleck gefüllt und ist nur im Schritttempo voran gekommen. Umso erfreulicher war dann aber die Volksfeststimmung, die rund um das Atom Bomb Museum herrschte. Einige Auftritte habe ich ja schon in Fukuoka und Kagoshima gesehen, aber hier war es um einiges größer, farbiger und professioneller.

Atomic Bomb Dome
Kranich


Ganz klar ist mir nicht, ob es bei diesen Auftritten nur um die Show geht, ob dabei auch Geschichten erzählt werden und ob es ein Wettbewerb ist. Aber egal, die optischen Eindrücke sind super, es sind viele Zuschauer da, aber es wird nicht gedrängelt und es ist einfach eine gute Stimmung, hai!
















Samstag, 4. Mai 2013

Blick aus dem Shinkansen

Fünf-Tages-Pass von JR West, Shinkansen inclusive. Damit komme ich vergangenen Donnerstag von Osaka hierher nach Fukuoka und fahre die nächsten Tage nach Nagasaki, Kagoshima, Hiroshima und wieder retour nach Osaka. Japan tourism at its peak efficiency - nicht so viel Zeit für meinen Blog.

Das Würschtlstand-Analogon

Sitzt man im Shinkansen könnte man meinen, man ist im Flugzeug. OK, über Kopf ist ein bissl mehr Platz, aber bei der ersten Abfahrt greife ich unwillkürlich nach dem Sitzgurt, um mich anzuschnallen. Und dann zieht draußen schon die Landschaft vorbei, schon aus dem Bahnhof raus beschleunigt der Shinkansen auf - für uns Europäer - ungewohnte Geschwindigkeiten.

Kagoshima, Vulkan vor der Haustür

Am WC des Shinkansen fällt mir auf einmal eine Zugfahrt in Kerala von Cochin nach Calicut wieder ein. Dort habe ich für eine Distanz von ca. 150 km etwa fünf Stunden gebraucht, der Shinkansen schafft 500 km in zwei Stunden. Abfahrt von Tokyo nach Osaka alle 10 Minuten.
In beiden Zügen sind die Schaffner besser organisiert als in der ÖBB. Mit Listen der Zu- und Aussteigenden brauchen sie jeweils nur die neuen Fahrgäste um die Karten fragen. Japan beschäftigt zwei Schaffner für einen Zug mit 20 Waggons, in Indien sinds halt zwei bis drei Schaffner pro Waggon. Auch sonst gibt es Unterschiede.


In Japan stellt jeder seinen Sitz wieder in die aufrechte Position, bevor er oder sie aussteigt und es bleibt natürlich nichts, kein Fuzerl Papier, keine Essensreste, keine Dose, nichts, am Platz zurück. In Indien ist die Klimaanlage der rettende Hauch, hier ist die Umgebung so perfekt temperiert, dass es gar nicht auffällt, dass sie künstlich ist. Keine Spur zu warm, kein Grad zu kalt, kein Lufthauch spürbar, aber auch nicht der Eindruck, dass die Luft stehen würde.

Fukuoka
Aber irgendwie war in Indien mehr Zeit zum Lesen, zum Schlafen, zum Aus-dem-Fenster-Schauen. Hier greift sich die Perfektion alles, was sie kriegen kann und veredelt es, in Indien entspannt sich Dein Körper und Dein Geist nach einigen Stunden von selbst.

Fukuoka
Fukuoka
Fukuoka
Fukuoka
Fukuoka

Ich mag Fukuoka. Eine Stadt, in der es eigentlich nichts zu sehen gibt, sieht man mit anderen Augen. So auch Nagasaki. Kaum angekommen bemerke ich, wie ich die Gesichter der Leute in der Straßenbahn intensiver ansehe. „Erkennt man noch etwas? Schauen die anders aus?“

  
Das Atomic Bomb Museum wurde ein paar hundert Meter von dem Ort errichtet, an dem am 9. August 1945 die Atombombe gezündet hat. Das meiste, was ich zu sehen bekomme, kenne ich schon. Ich will mehr erfahren, aber gleichzeitig abstrahieren die Fakten vom Grauen. Und will ich eigentlich noch genauer hinschauen, auf die Verbrennungen, die schwarzen Körper, die zerfetzten Gesichter, die Narben noch Jahre danach? Und wiederum: es war nicht das Ende der Welt, es ging weiter und heute ist rundum nichts mehr zu erkennen.

Ground Zero

Wie ich aus dem unterirdischen Museum wieder ins Licht trete, spüre ich den Frühling besonders intensiv. Das Licht ist auch in Kagoshima sehr warm. Kagoshima hieß früher Satsuma und war ein wichtiger Treiber für den Beginn der Modernisierung Japans nach Jahrhunderten Abschluss von der Außenwelt. Im Museum of the Meiji Restoration haben sie eine nette Multimedia-Vorführung, in der mir zum ersten Mal klar wird, einen wie großen Schritt das für Japan bedeutet hat, als der Herrscher von Satsuma 1860 zum ersten Mal heimlich (trotz des Verbots durch den Shogun in Edo) ein paar Studenten nach London geschickt hat, um die moderne Welt zu erkunden und Wissen nach Japan zu bringen.

Nagasaki
Kagoshima
Kagoshima

Das erklärt für mich auch diese seltsame Zweiteilung hier, in eine eher mechanistische Zukunftsgläubigkeit und eine tiefe emotionale Verbundenheit mit allem Alten. Jedenfalls nehmen sie unterschiedliche Traditionen gerne auf und japanisieren sie, zB die Countryband zum American Linedance am Bahnhofsvorplatz von Kagoshima.


Black Piggy Linedance Group


Donnerstag, 2. Mai 2013

Ein Nachmittag in Hakata

Als ich 1996 nach acht Monaten in Afrika, Pakistan und China in Hong Kong zum ersten Mal ein „Deli France“ mit Baguette, Butter und Marmelade von Darbo gesehen habe, sind mir fast die Tränen gekommen.

Jetzt sitze ich in Hakata (Fukuoka) in einem Lokal mit dem klingenden Namen „Comment allez vous“, trinke Espresso und esse italienischen Pudding während aus den Lautsprechern brasilianischer Jazz dringt. Und niemand findet da mehr was groß was Besonderes dran.


Draußen ist die Luft glasklar, die Sonne scheint und ein frischer Wind weht. Fukuoka ist eine Stadt mit wenig herausragenden Sights, aber sie ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung von Kyushu, dem Westen Japans. Und sie war die einzige Stadt, in der ich grad noch eine Unterkunft gefunden habe (im ANA Crown Plaza, man gönnt sich ja sonst nix), denn jetzt beginnt der zweite Teil der „Golden Week“. Da häufen sich in Japan ein paar Feiertage (der 1. Mai ist interessanterweise hier kein Feiertag) und alle fahren offenbar wild durch die Gegend.


Ich habe einen 5-Tages-Pass von JR (Japan Rail) West, der auch den Shinkansen einschließt. Daher bin ich heute aus Osaka her gekommen und werde morgen einen Ausflug nach Nagasaki machen und übermorgen in den Süden von Kyushu hinunter fahren.







Im Crown Plaza wird es übrigens seit ein paar Minuten vermutlich einen Rezeptionisten weniger geben. Beim Einchecken haben sie mich ins Zimmer 624 gebucht, wie ich rauf gekommen bin, war die Tür schon offen (ist wohl ein special service, hab ich mir gedacht) und ich hab mich eingerichtet. Wie ich dann ein wenig später in die Stadt gehen wollte, hat meine Karte die Zimmertür nicht mehr geöffnet. Ich habe daher an der Rezeption gebeten, sie mögen die Karte überprüfen. Daraufhin entsetzt aufgerissene Augen, wieso ich ins Zimmer 624 wolle, ich sei doch im Zimmer 602!?!

Als ich ihnen den Check-In-Beleg zeige, wo groß 624 drauf steht, fällt der zuständige Rezeptionist beinahe in Ohnmacht. Oh, so so so sorry, SORRYY!! Da ist ihm beim Einbuchen ein Fehler unterlaufen, weil eigentlich war ich fürs Zimmer 602 vorgesehen, aber das sei dann noch nicht fertig gewesen, und da habe er … Mit jedem Wort wird er kleiner, die Schweißperlen auf seiner Stirn größer und sein Englisch schlechter. Voller Großmut sage ich „no problem, shall I move to 602?“ Heftiges Abgewinke aller drei Rezeptionist/innen, die sich mittlerweile um mich kümmern, nein, nein, bitte nicht, ich soll in 624 bleiben (ich hätte nichts gegen 602 gehabt, das wäre von der Straße weg gelegen), aber ich lasse mich erweichen und darf nach einigem Hin- und Her dann doch aus dem Haus gehen. Vermutlich haben sie den jungen Mann dann in ein Zimmer nach hinten geführt und gesagt, da er ein Ehrenmann sei, wisse er ja, was er zu tun habe und ob man den Hinterbliebenen noch was ausrichten solle … Seppuku, hai!!