Fünf-Tages-Pass von JR West, Shinkansen inclusive. Damit komme ich vergangenen Donnerstag von Osaka hierher nach Fukuoka und fahre die nächsten Tage nach Nagasaki, Kagoshima, Hiroshima und wieder retour nach Osaka. Japan tourism at its peak efficiency - nicht so viel Zeit für meinen Blog.
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| Das Würschtlstand-Analogon |
Sitzt man im Shinkansen könnte man meinen, man ist im Flugzeug. OK, über Kopf ist ein bissl mehr Platz, aber bei der ersten Abfahrt greife ich unwillkürlich nach dem Sitzgurt, um mich anzuschnallen. Und dann zieht draußen schon die Landschaft vorbei, schon aus dem Bahnhof raus beschleunigt der Shinkansen auf - für uns Europäer - ungewohnte Geschwindigkeiten.
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| Kagoshima, Vulkan vor der Haustür |
Am WC des Shinkansen fällt mir auf einmal eine Zugfahrt in Kerala von Cochin nach Calicut wieder ein. Dort habe ich für eine Distanz von ca. 150 km etwa fünf Stunden gebraucht, der Shinkansen schafft 500 km in zwei Stunden. Abfahrt von Tokyo nach Osaka alle 10 Minuten.
In beiden Zügen sind die Schaffner besser organisiert als in der ÖBB. Mit Listen der Zu- und Aussteigenden brauchen sie jeweils nur die neuen Fahrgäste um die Karten fragen. Japan beschäftigt zwei Schaffner für einen Zug mit 20 Waggons, in Indien sinds halt zwei bis drei Schaffner pro Waggon. Auch sonst gibt es Unterschiede.
In Japan stellt jeder seinen Sitz wieder in die aufrechte Position, bevor er oder sie aussteigt und es bleibt natürlich nichts, kein Fuzerl Papier, keine Essensreste, keine Dose, nichts, am Platz zurück. In Indien ist die Klimaanlage der rettende Hauch, hier ist die Umgebung so perfekt temperiert, dass es gar nicht auffällt, dass sie künstlich ist. Keine Spur zu warm, kein Grad zu kalt, kein Lufthauch spürbar, aber auch nicht der Eindruck, dass die Luft stehen würde.
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| Fukuoka |
Aber irgendwie war in Indien mehr Zeit zum Lesen, zum Schlafen, zum Aus-dem-Fenster-Schauen. Hier greift sich die Perfektion alles, was sie kriegen kann und veredelt es, in Indien entspannt sich Dein Körper und Dein Geist nach einigen Stunden von selbst.
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| Fukuoka |
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| Fukuoka |
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| Fukuoka |
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| Fukuoka |
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| Fukuoka |
Ich mag Fukuoka. Eine Stadt, in der es eigentlich nichts zu sehen gibt, sieht man mit anderen Augen. So auch Nagasaki. Kaum angekommen bemerke ich, wie ich die Gesichter der Leute in der Straßenbahn intensiver ansehe. „Erkennt man noch etwas? Schauen die anders aus?“
Das Atomic Bomb Museum wurde ein paar hundert Meter von dem Ort errichtet, an dem am 9. August 1945 die Atombombe gezündet hat. Das meiste, was ich zu sehen bekomme, kenne ich schon. Ich will mehr erfahren, aber gleichzeitig abstrahieren die Fakten vom Grauen. Und will ich eigentlich noch genauer hinschauen, auf die Verbrennungen, die schwarzen Körper, die zerfetzten Gesichter, die Narben noch Jahre danach? Und wiederum: es war nicht das Ende der Welt, es ging weiter und heute ist rundum nichts mehr zu erkennen.
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| Ground Zero |
Wie ich aus dem unterirdischen Museum wieder ins Licht trete, spüre ich den Frühling besonders intensiv. Das Licht ist auch in Kagoshima sehr warm. Kagoshima hieß früher Satsuma und war ein wichtiger Treiber für den Beginn der Modernisierung Japans nach Jahrhunderten Abschluss von der Außenwelt. Im Museum of the Meiji Restoration haben sie eine nette Multimedia-Vorführung, in der mir zum ersten Mal klar wird, einen wie großen Schritt das für Japan bedeutet hat, als der Herrscher von Satsuma 1860 zum ersten Mal heimlich (trotz des Verbots durch den Shogun in Edo) ein paar Studenten nach London geschickt hat, um die moderne Welt zu erkunden und Wissen nach Japan zu bringen.
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| Nagasaki |
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| Kagoshima |
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| Kagoshima |
Das erklärt für mich auch diese seltsame Zweiteilung hier, in eine eher mechanistische Zukunftsgläubigkeit und eine tiefe emotionale Verbundenheit mit allem Alten. Jedenfalls nehmen sie unterschiedliche Traditionen gerne auf und japanisieren sie, zB die Countryband zum American Linedance am Bahnhofsvorplatz von Kagoshima.
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| Black Piggy Linedance Group |