Dienstag, 8. Oktober 2013

Seoul

Heute zum Frühstück habe ich Romanas Fotostrecke von ihrem Kuba-Urlaub angesehen, und dabei sind zwei Dinge passiert: zum ersten habe ich endlich Lust auf Südamerika bekommen und mir zum anderen vorgenommen, meinem Blog wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

I´m a Seoul man
Nachdem aus unserem Projekt in Thailand nix geworden ist und sich auch sonst keine Einkommensquellen eröffnet haben (es war zB genau der Job bei Greenpeace SEA wieder ausgeschrieben, auf den ich damals von Wien aus schon einmal geliebäugelt hatte), freunde ich mich langsam mit dem Gedanken an, ab November doch meine Weltumrundung fertig zu machen. Bislang hatte mich Südamerika eigentlich nicht besonders angezogen, aber nach Romanas Fotos habe ich doch wieder Lust auf die spanischsprachige Welt bekommen.

Kimchi gibts in vielen Variationen
Und so wirds gemacht
Auf Korea bin ich gekommen, weil in meinen Thai-Klassen immer recht viel Koreaner und Koreanerinnen waren, die immer sehr patriotisch von ihrem Land und ihrem Essen erzählt haben. Da hab ich mir gedacht, das schau ich mir einfach einmal an.

Erster Stop nach dem Nachtflug: ein gutes Supperl!
Jetzt ein bissl mehr als eine Woche in Korea und habe den Eindruck, als ob es schon viel länger wäre. Die ersten beiden Tage in Seoul waren nett, gutes Essen, einiges zum Anschauen und eine eindrucksvolle Militärparade.




Seoul selbst ist riesig (mehr als die Hälfte der 50 Millionen Einwohner Koreas leben in der Metropolitan Area Seoul), dafür ist es aber erstaunlich ruhig und entspannt. Den Norden nehmen sie irgendwie zur Kenntnis, aber - zumindest ist das so der generelle Eindruck - im Alltag auch nicht besonders ernst.

Das ist nicht (mehr) das Militär





Im Jahr des Affen geboren



Folk Museum



Das Militär ist aber schon sehr präsent und wie die Parade am 1. Oktober gezeigt hat, auch recht gut ausgestattet (hier war auch ein Bericht davon, der Fotograf hatte offenbar auch einen besseren Platz als ich: http://derstandard.at/1379292647391/Suedkorea-faehrt-alle-Geschuetze-auf). Die Stimmung im Publikum war ein Mix aus Begeisterung, wenn sie Panzer erkannt haben, die sie wahrscheinlich selbst gefahren sind und ehrfürchtiger Ruhe. Die Sicherheitsvorkehrungen waren aber auch nicht ohne, überall Polizei, Militär, kreisende Hubschrauber.

























Am nächsten Tag war es dann wieder friedlicher und ich hab mir die zweite große Palastanlage in Seoul angesehen. Beide wurden nach den Kriegen wieder neu aufgebaut, nachdem ganz Seoul mehr oder weniger in Schutt und Asche gelegen ist.












Rund um den Palast gibt es ein "altes" Stadtviertel, wo schwer zu sagen ist, was noch alt und was schon neu ist. Die Idee ist einfach, dass man sehen kann, wie die alten Stadtstrukturen ausgesehen haben, bevor sie durch Neubauten abgelöst wurden. Mir kam es ein bissl vor wie eine Mischung aus Freilichtmuseum, Andenkenshop und Hanok-Style Unterkunft, aber schon interessant. Generell würde ich sagen, dass in Asien weniger Hemmung besteht, altes und neues nebeneinander stehen zu lassen.










 
Nach Seoul bin ich an die Ostküste gefahren, mehr dazu gibt’s am Abend, jetzt muss ich mich fertig machen, ich möchte mir hier in der Gegend (http://en.wikipedia.org/wiki/Gyeongju) ein paar Sachen ansehen.

Streetfood (1): Mandu (= Gyoza)
Streetfood (2): Reiskuchen in Tomatenpampe, ich habs nicht probiert
Streetfood (3): Zum Glück gibts den Döner auch zum Mitnehmen! 
Streetfood (4): Würschtlstand auf koreanisch
Und auch für das geistliche Wohl wird gesorgt. Ihr Sünder! 
Zuletzt: die dynamische Körperhaltung koreanischer TV-Moderatorinnen


Freitag, 4. Oktober 2013

Jeonju Sori Festival

Es kann schon lustig zugehen. Ich bin seit Anfang der Woche in Südkorea und gestern Abend mehr oder weniger zufällig nach Jeonju gekommen. Eigentlich hätte ich vorgehabt, hier in der Nähe eine Nacht in einem buddhistischen Tempel zu verbringen (http://eng.templestay.com), nur hat das Kloster leider auf keine meiner mehrmaligen Anfragen reagiert. Na gut, denk ich mir, fahre ich heute halt einfach so auf einen Tagesausflug hin und schau mir die Gegend an.

Ich bin extra zeitig aus dem Hotel (genauer gesagt: "Love Motel", weil alles andere in Jeonju war voll, aber in der Nähe des Busbahnhofs gibt es eine Ansammlung dieser Lokalitäten, die tendenziell von Pärchen gebucht werden, aber auch Familien und Alleinreisende aufnehmen), um den Bus nach Geumsan-sa auch zu erreichen, wurde aber zweimal in die falsche Richtung geschickt und den Bus natürlich versäumt. Dann hab ich mir gedacht, gut, schau ich mir erst einmal einfach die Altstadt hier an, die soll sehr schön sein (ist sie auch!). Von dort hab ich noch zweimal versucht, den Bus zum Kloster zu erwischen, aber es hat nicht sein wollen.

Und auf einmal komme ich an einer kleinen Bühne vorbei, wo gerade ein junges Mädchen (ich schätze einmal so zwischen 12 und 14 Jahren) beginnt, ein traditionelles koreanisches Volkslied zu singen. Und ich bin hin und weg von ihrer Stimme und ihrer Präsenz! Gleich darauf kommt eine koreanische Zitherspielerin und auf einer anderen Bühne beginnt eine Band zu spielen. Erst einmal habe ich mich einfach gefreut, dann habe ich im Internet nachgesehen, und siehe da: seit gestern ist hier in Jeonju ein internationales Musikfestival und in der ganzen Stadt gibt es Konzerte und Workshops (die meisten gratis, manche gegen Eintritt).

So war ich heute schon in einer koreanischen Oper, habe eine reine Mädels-Marching-Band gesehen, diverse koreanische Gruppen und mir eine Karte für das Konzert von Fatoumata Diaware gekauft, einer Sängerin aus Mali, die ich in Wien schon einmal gesehen habe, und die morgen hier spielt.

Was soll ich sagen: der Tag war wunderbar! Sonnig, warm, Musik, gutes Essen, die Altstadt gut belebt, in der koreanischen Oper hat der Ansager vor dem Beginn ein paar CDs und Karten verteilt, und nachdem ich der einzige Westler im Publikum war, habe ich eine VIP-Karte bekommen (leider nicht, wie ich erst geglaubt habe, für die Veranstaltungen hier, sondern für einen Thermenbesuch ...) und nachdem ich von der vielen Musik schon etwas erschöpft war, wollte ich am späten Nachmittag ins Hotel zurück um mich ein wenig auszuruhen. Wie ich hier aus dem Taxi steige, fällt mir auf einmal auf, dass mein Rucksack so leicht ist. Scheixxx, meine Kamera ...?

Im Taxi retour ins Zentrum denke ich noch einmal nach, wo ich sie als letztes in der Hand hatte. Ich glaube, am Stand, wo ich das Ticket für morgen gekauft habe. Und uff, sie liegt noch dort. Danke! Wie gesagt: ein GUTER Tag heute!