Sonntag, 12. Mai 2013

Tainan Night Market

Das ist ein Grund, warum ich mich in Taiwan wohl fühle: die Begeisterung und die Aufmerksamkeit, mit der man sich hier dem Essen widmet!

Flower Garden Night Market, Tainan

Ich habe nicht alles gegessen, was auf den Bildern zu sehen ist, aber es war eine wahre Wollust, durch den Markt zu spazieren und einfach nur optisch zu gustieren :-)

请多吃啊 
Gesegnete Mahlzeit!


















Vor und nach dem Essen brauchts dann noch ein wenig Unterhaltung (Shopping inclusive):











Freitag, 10. Mai 2013

Nippon

Mir geht’s wieder gut! Nicht, dass es mir in Japan wirklich schlecht gegangen wäre, aber so 100% bin ich mit den Land nicht warm geworden.


Die Leute waren super angenehm, freundlich, hilfsbereit und rücksichtsvoll. Die Städte waren leise, komfortabel, funktionell. Das Reisen effizient. Das Essen gut, aber auf Dauer irgendwie unbefriedigend. Und die Temperaturen am Schluss schon recht OK. Also alles kein Grund zur Traurigkeit, oder?


Aber irgendwie hat immer etwas gefehlt. Was das sein konnte, habe ich bemerkt, kaum dass ich in Taipei aus dem Flughafengebäude draussen war: ein klein wenig Imperfektion hier, ein paar Grad mehr da; Luft, die nach etwas riecht, Straßen, die man hört; und einfach wieder eine Stadtstruktur, wo das Auge etwas findet, an dem es hängen bleiben kann.

Japan ist ein faszinierendes Land und ich kann eine Reise dorthin nur empfehlen. Man findet sich einerseits schnell zurecht, weil doch vieles vertraut ist: U-Bahn, Kreditkarten, Elektronik. Andererseits kann es verdammt fremd sein: überraschend wenig geht über Internet (ich habe es zB nicht geschafft, Zugtickets online zu bestellen), noch weniger ist oft auf englisch beschriftet (zB braucht es einige Knobelei, um herauszufinden, was auf dem Ticket vom Flughafenexpress die Wagennummer, was die Sitznummer ist, und was das Datum. Letzteres wird nämlich, um es vollends kompliziert zu machen, manchmal entsprechend dem Gregorianischen Kalender angegeben (2013), manchmal aber auch nach dem japanischen Imperial Kalender, in dem wir grad im Jahr 25 sind (beginnend mit der Thronbesteigung des derzeitigen Kaisers Akihito, mehr dazu hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Heisei).



Ein unbedingtes Plus für Japan ist die unglaubliche Ruhe (man hört auf der Straße die Autos kaum) und die Rücksichtnahme der Leute. Letzteres war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil oft fast schon unterwürfig (zB Kopf einziehen, wenn vor Dir wer vorbei geht und Du zB etwas an der Wand ablesen möchtest) aber jetzt, wo wieder gerempelt und geschrien wird, geht es mir fast ein bissl ab.



Wenn man Shopping mag, ist man in Japan richtig. Ebenso wenn kulturell interessiert ist und genauso, wenn man Essen mag. Restaurants gibt es in Massen, mit den unterschiedlichsten Stilen und Größen, und immer auf Qualität und entsprechende Präsentation bedacht. Ich habe kein einziges Mal schlecht gegessen, aber auch selten so, dass es mich entzückt hätte. Das lag nicht am Essen selbst, sondern daran, dass ich in den letzten Monaten halt in meinen kulinarischen Hot Spots war (Indien, Thailand, Hong Kong) und die naturbelassene, eher geschmacksneutrale Zubereitung mich einfach nicht so glücklich macht, wie wenn ich bei einem dry curry ins Schwitzen komme.


Was ein wenig gewöhnungsbedürftig war (auch schon in Hong Kong, dort aber deutlich seltener), ist die Anzahl der Leute, die eine Gesichtsmaske tragen. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob es bei der Ankunft in Hong Kong oder Tokyo war, aber wie auf einmal drei Leute in Gesichtsmasken vor mir gestanden sind und hinter ihnen groß „Health Check / Quarantäne“ geschrieben stand, hat es mich erst schon etwas erschreckt. Ich habe aber gelernt, dass generell das Tragen einer Gesichtsmaske weniger ein Ausdruck von Sorge ist, als dass man dadurch Rücksicht gegenüber anderen demonstriert.


Ein Wort, das mir bei Japan in den Sinn kommt ist Perfektionismus. Wenn man durch die Straßen einer x-beliebigen Stadt geht, ist alles picobello aufgeräumt, geputzt, in Reih und Glied aufgestellt. Auch die Liebe, mit der sie sich der technologischen Ausrüstung ihrer WCs widmen, ist bewundernswert. Selbst die herkömmlichen Funktionen (aufklappbare Klobrillen, Wasserspülung) sind elektrifiziert, und dann gibt es die schon erwähnte Sitzheizung (natürlich einstellbar) und das automatische Wasserplätzschern, sobald man sich hinsetzt. Dazu meist zwei unterschiedliche Formen der Hinterndusche und manchmal auch noch ein Gebläse. Ob es etwas bedeutet, dass die meisten Toiletten von der Firma „National“ sind, kann ich nicht abschließend beantworten.



Dass durch diese Perfektion nicht mehr Leute zum Auszucker werden, ist eine kulturelle Meisterleistung. Ob ich in dieser Gesellschaft leben möchte? Wenn man in irgendeiner Sache sehr gut ist, wird man mit Anerkennung überhäuft. Ansonsten? Kann ich es nicht sagen, dazu bin ich sicher zu wenig tief in die Gesellschaft und Kultur Japans eingedrungen.

BEEF!

Ich wurde von meiner Neigungsgruppe nachdrücklich daran erinnert, dass ich noch den Bericht zum Kobe-Beef schuldig bin, here it is! Titel der Geschichte: Kobe or not Kobe?

Wagyu-Rind, Sirloin-Cut

Kobe liegt etwa 40 Minuten mit der S-Bahn von Osaka entfernt. Die Viehzüchter in der Präfektur Kobe haben die lokalen Wagyu-Rinder und ihre Haltungsmethoden zur Marke erhoben, um die sich allerlei Gerüchte ranken. Zwei der wichtigsten: Kobe-Rinder würden mit Bier gefüttert und täglich gestreichelt, damit das Fleisch besonders weich werde. Ob diese Gerüchte stimmen, von der lokalen Brauereiindustrie in die Welt gesetzt oder einfach nur Blödsinn sind, darüber ist das Internet uneinig. Was aber stimmt ist, daß das Fleisch so zart ist, dass es im Mund quasi schmilzt!

Wagyu-Beef bekommt man in Japan natürlich auch anderswo (laut Informationen aus dem Internet soll es aber in Europa kein echtes Kobe-Beef zu kaufen geben, weil es in Kobe keinen Schlachthof gibt, der nach EU-Regelungen schlachten kann), aber wenn man schon in der Gegend ist, solls schon Kobe werden.

Kobe, links am Horizont: Osaka

Ein besonders hoch gelobtes, weil sehr gutes, aber noch leistbares Restaurant, soll gleich beim Bahnhof sein, das passt doch super, denk ich mir, da fahr ich hin. Bei meiner Ankunft erkenne ich jedoch, dass ich das offenbar das kleine Wörtchen „Shin-„ überlesen habe, dem ich bisher wenig Bedeutung zugemessen habe. Jetzt verstehe ich aber, was es heißt: nämlich Shinkansen-Bahnhof, und der ist oft (aber nicht immer) an einer anderen Stelle, als die traditionelle train station, so auch in Kobe. Also auf zu Shin-Kobe.

Am Weg dorthin sehe ich mich dann schon vor dem mittlerweile vollen Restaurant warten, wie das in Japan oft der Fall ist. Aber ich bin dann doch noch früh genug dran und bekomme einen Platz direkt an der großen Grillplatte, wo mich der zuständige Koch freundlich begrüßt. Ich wähle nicht das (vergleichsweise günstige) Mittagsmenü, denn wenn ich schon einmal da bin, muss ich ja nicht sparen, sondern wähle ein größeres Stück (250g) und dazu eine Vorspeise (Zunge!), Salat und Kaffee.

Der Chef und die Gäste

Der Koch betreut heute fünf Personen, maximal könnten 10 Personen am „Tisch“ sitzen. Als erstes werden für jeden gast einmal fein geschnittene Knoblauchscheiben angeröstet, und dann kommen je nach Menü die anderen Zutaten auf den Grill. Wie zu erwarten war, hat der Koch eine beeindruckende Messertechnik und die Zutaten werden in einer Weise gegrillt, dass sie einmalig sind: ich hatte zB die besten gegrillten Radi-Scheiben meines Lebens!

Garlic


Das Beef wird auf einer eigenen Holzplatte vor dem Gast positioniert und wenn seine Zeit gekommen ist, mit wenigen, schnellen Schnitten zerteilt. Das Fettrandl kommt als erstes auf den Grill, danach folgt der Rest. Ich habe dem Koch gesagt, dass er das Fleisch nur ganz kurz braten soll, und das Ergebnis war wunderbar. Weich, saftig, man kann das Fleisch fast mit der Zunge zerdrücken. Ich bekomme noch Tipps, wie ich es essen soll: ein Stück natur, eines mit Salz, eines mit Pfeffer und eines mit Soja-Wasabi-Sauce. Alle Varianten hervorragend!

Zunge, roh, wunderbar




Nach der ersten Hälfte denk ich mir, na eigentlich hätte das kleinere Menü auch gereicht, aber auch die zweite Hälfte des Fleisches mundet noch vorzüglich. Zum Abschluss werden noch die kleinen Restfuzerln Fleisch und Fett mit frischem Knoblauch in Reis eingearbeitet und werden so zur Sättigungsbeilage, stilvoll mit einer Rolle frisch gemachten Reispapiers serviert.





In Summe hat mich der Spaß etwa 150 Euro gekostet. Also nicht gerade geeignet für den täglichen Business-Lunch, aber als Erfahrung eindrucksvoll. Und für den Verdauungsspaziergang lasse ich mich von bewährter österreichischer Industriehandwerkskunst auf den Herb Garden gleich hinter dem Bahnhof chauffieren.