Mir geht’s wieder gut! Nicht, dass es mir in Japan wirklich schlecht gegangen wäre, aber so 100% bin ich mit den Land nicht warm geworden.
Die Leute waren super angenehm, freundlich, hilfsbereit und rücksichtsvoll. Die Städte waren leise, komfortabel, funktionell. Das Reisen effizient. Das Essen gut, aber auf Dauer irgendwie unbefriedigend. Und die Temperaturen am Schluss schon recht OK. Also alles kein Grund zur Traurigkeit, oder?
Aber irgendwie hat immer etwas gefehlt. Was das sein konnte, habe ich bemerkt, kaum dass ich in Taipei aus dem Flughafengebäude draussen war: ein klein wenig Imperfektion hier, ein paar Grad mehr da; Luft, die nach etwas riecht, Straßen, die man hört; und einfach wieder eine Stadtstruktur, wo das Auge etwas findet, an dem es hängen bleiben kann.
Japan ist ein faszinierendes Land und ich kann eine Reise dorthin nur empfehlen. Man findet sich einerseits schnell zurecht, weil doch vieles vertraut ist: U-Bahn, Kreditkarten, Elektronik. Andererseits kann es verdammt fremd sein: überraschend wenig geht über Internet (ich habe es zB nicht geschafft, Zugtickets online zu bestellen), noch weniger ist oft auf englisch beschriftet (zB braucht es einige Knobelei, um herauszufinden, was auf dem Ticket vom Flughafenexpress die Wagennummer, was die Sitznummer ist, und was das Datum. Letzteres wird nämlich, um es vollends kompliziert zu machen, manchmal entsprechend dem Gregorianischen Kalender angegeben (2013), manchmal aber auch nach dem japanischen Imperial Kalender, in dem wir grad im Jahr 25 sind (beginnend mit der Thronbesteigung des derzeitigen Kaisers Akihito, mehr dazu hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Heisei).
Ein unbedingtes Plus für Japan ist die unglaubliche Ruhe (man hört auf der Straße die Autos kaum) und die Rücksichtnahme der Leute. Letzteres war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil oft fast schon unterwürfig (zB Kopf einziehen, wenn vor Dir wer vorbei geht und Du zB etwas an der Wand ablesen möchtest) aber jetzt, wo wieder gerempelt und geschrien wird, geht es mir fast ein bissl ab.



Wenn man Shopping mag, ist man in Japan richtig. Ebenso wenn kulturell interessiert ist und genauso, wenn man Essen mag. Restaurants gibt es in Massen, mit den unterschiedlichsten Stilen und Größen, und immer auf Qualität und entsprechende Präsentation bedacht. Ich habe kein einziges Mal schlecht gegessen, aber auch selten so, dass es mich entzückt hätte. Das lag nicht am Essen selbst, sondern daran, dass ich in den letzten Monaten halt in meinen kulinarischen Hot Spots war (Indien, Thailand, Hong Kong) und die naturbelassene, eher geschmacksneutrale Zubereitung mich einfach nicht so glücklich macht, wie wenn ich bei einem dry curry ins Schwitzen komme.

Was ein wenig gewöhnungsbedürftig war (auch schon in Hong Kong, dort aber deutlich seltener), ist die Anzahl der Leute, die eine Gesichtsmaske tragen. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob es bei der Ankunft in Hong Kong oder Tokyo war, aber wie auf einmal drei Leute in Gesichtsmasken vor mir gestanden sind und hinter ihnen groß „Health Check / Quarantäne“ geschrieben stand, hat es mich erst schon etwas erschreckt. Ich habe aber gelernt, dass generell das Tragen einer Gesichtsmaske weniger ein Ausdruck von Sorge ist, als dass man dadurch Rücksicht gegenüber anderen demonstriert.

Ein Wort, das mir bei Japan in den Sinn kommt ist Perfektionismus. Wenn man durch die Straßen einer x-beliebigen Stadt geht, ist alles picobello aufgeräumt, geputzt, in Reih und Glied aufgestellt. Auch die Liebe, mit der sie sich der technologischen Ausrüstung ihrer WCs widmen, ist bewundernswert. Selbst die herkömmlichen Funktionen (aufklappbare Klobrillen, Wasserspülung) sind elektrifiziert, und dann gibt es die schon erwähnte Sitzheizung (natürlich einstellbar) und das automatische Wasserplätzschern, sobald man sich hinsetzt. Dazu meist zwei unterschiedliche Formen der Hinterndusche und manchmal auch noch ein Gebläse. Ob es etwas bedeutet, dass die meisten Toiletten von der Firma „National“ sind, kann ich nicht abschließend beantworten.


Dass durch diese Perfektion nicht mehr Leute zum Auszucker werden, ist eine kulturelle Meisterleistung. Ob ich in dieser Gesellschaft leben möchte? Wenn man in irgendeiner Sache sehr gut ist, wird man mit Anerkennung überhäuft. Ansonsten? Kann ich es nicht sagen, dazu bin ich sicher zu wenig tief in die Gesellschaft und Kultur Japans eingedrungen.