Dienstag, 15. Oktober 2013

Auf der Suche nach dem Style

Vorletzter Tag in Seoul, an sich könnte ich langsam ans Einpacken denken, aber eine Sache ist noch zu tun, eine Frage brennt mir noch unter den Fingernägel: wer oder was ist er, der Gangnam Style?!? Also rein in die U-Bahn und auf nach Gangnam.

Die Richtung ist klar

Der erste Eindruck: die Metro-Station Gangnam ist viel lebendiger, jugendlicher als die sonst üblichen, eher funktionalen Stationen. Musik überall, bunte Handy-Accessoires neben günstigen Fetzerln, Hot Dog Stände und Kaffeebars.

Im Untergrund
Aber das kann ja nicht der ganze Style gewesen sein, also raus ans Tageslicht.

Die Örtlichkeit ist klar
Das ist doch kein Stil!
Das schon eher

Ein Mix aus Business und Jugend prägt das Bild auf der Straße. Ich spaziere ein wenig in der Gegend herum und lege mich dann an einem Eingang zur Metro auf die Lauer. Irgendwann muss er (oder sie?) ja vorbeikommen, der Style.

Zu amerikanisch für den Gangnam Style 
Zu deutsch, die werden doch nicht ...?
Auch nicht 
Italienisch und französisch gilt auch nicht
Die Haartracht könnte eine erste Spur sein
Es wird wärmer ...
... und wieder kälter
Eiskalt
Vielleicht ...?
Kommt er jetzt?
Na, doch ned

Ich gebe meine Lauerstellung auf, und beschließe, lieber noch einmal eine Runde zu drehen.

Vielleicht ist der Style ja eigentlich eine Kunst?
Oder doch nur Fantasie?
Netter Versuch, aber so ned, Burschen

Vielleicht bin ich einfach nur zur falschen Zeit hier? Vielleicht kommt der Style ja erst bei Einbruch der Nacht aus seinem Versteck, oder er schläft sich unter der Woche aus, um am Freitag und Samstag sein Spiel zu treiben?

Fad
Gibts doch eh überall ...
Am Ende gebe ich auf. Wenn es den Gangnam Style geben soll, außerhalb von Youtube habe ich ihn jedenfalls nicht gefunden ... Aber Gangnam selbst ist schon einen Abstecher wert, auch wenn es offenbar ermüden kann.


Montag, 14. Oktober 2013

Suwon oder Wie man einen Palast versteckt

Am Sonntag habe ich mir gedacht: mach doch einen Sonntagsausflug! Wie ich schon erwähnt habe, macht es das Seouler Metro-Netz sehr einfach (und günstig), in der Gegend herum zu kommen. Also habe ich mich vor dem Hotel in die U-Bahn gesetzt und bin eine Stunde später in Suwon wieder ausgestiegen.

Noch Seoul oder schon Suwon? Schwer zu sagen
Suwon war für eine kurze Zeit einmal Hauptstadt von Seoul und der betreffende König hat um seinen Palast gleich eine ziemlich große Stadtmauer aufgezogen. Sie ist so groß, dass ich erst ein wenig Schwierigkeiten hatte, den eigentlichen Palast zu finden. Ich bin an der vom Guidebook empfohlenen Stelle die Festungsanlage am Berg hinaufgeschwitzt und hatte erwartet, dort eigentlich einen Blick auf den zentralen Palast erhaschen zu können. Nur, da war nix zu sehen. Nur die Verteidigungsmauer, die sich, so weit man sehen konnte, auf der Hügelkette in beiden Richtungen im Wald verlor. Und oben angekommen, konnte ich auf der anderen Seite auch nicht mehr sehen, als Wald und abschüssiges Gelände. Ich wußte nicht einmal, ob ich jetzt eigentlich drinnen oder draußen bin.

Der Weg hinauf
Draußen 
Gate
Drinnen
Gate
Aufgeklärt hat es sich dann ein bissl später: das, was von der Festungsmauer heute noch besteht, ist immer noch knapp sechs Kilometer lang und dazwischen hat sich mittlerweile einfach die moderne Stadt ausgebreitet.


Klöppel
Tanzlehrer 
Floodgate
Und noch ein Gate
Wer wollte, konnte sich am Ende des Rundgangs auch noch im Bogenschießen versuchen. Eine Disziplin, bei der Korea offenbar auch bei den olympischen Spielen immer wieder prominent vertreten ist.






In Summe: auch wenn mir am Abend die Füße vom vielen Marschieren ordentlich weh getan haben, ein netter Sonntagsausflug!

High Speed

Von Busan bin ich am direktesten Weg nach Seoul gefahren, und der direkte Weg heißt KTX: Korean High Speed Train. Ich hatte überlegt, einen langsameren Zug zu nehmen, aber nachdem der schon voll war, habe ich mir gedacht, gut, dann kannst wenigstens die Highspeed Trains zwischen Korea, Japan und Taiwan vergleichen.

Mein Fazit: dem Shinkansen als „Urgroßvater“ aller High-Speed-Trains gehört gebührende Achtung, nicht zuletzt auch, weil Japan Rail (fast) das ganze Land (fast) im Minutentakt erschließt und Fliegen (fast) überflüssig macht. Die Taiwanesen waren ja sehr stolz drauf, dass sie die einzigen sind, denen die Japaner ihre Technologie zur Verfügung gestellt haben und die Züge und Stationen in Taiwan hatten den modernsten Touch. Der KTX in Korea ist genauso schnell wie die anderen beiden, wirkt aber schon ein bissl angegraut. Ein paar abgestoßene Ecken hier, ein paar ungenutzte Scheiben da. Dem Fahrerlebnis tut das aber keinen Abbruch.

Einen kurzen Ausschnitt gibt es hier zu sehen: -> Youtube

Modern Seoul

Je länger ich hier bin, desto besser gefällt mir Seoul. Bei meiner Ankunft vor zwei Wochen war es grau, regnerisch und sehr feucht. Jetzt hat es 20 bis 25 Grad, blauen Himmel, trockene Luft, wunderbares Herbstwetter!

Vermutlich Kunst
Seoul ist riesig. Gestern war ich zB in Suwon, man könnte es als Vorort bezeichnen. Die Fahrt dorthin dauerte (vom Bahnhof aus) eine Stunde und die Stadt hat noch lange nicht aufgehört. (Ich habe versucht, die Fahrtzeiten der verschiedenen U-Bahn/S-Bahn-Linien von Endstation zu Endstation zu erkunden und bin in einem Fall auf eine Fahrtzeit von knapp vier Stunden von einer Seite Seouls zur anderen Seite gekommen (ohne Umsteigen!).

Kunst. Oder doch ein Test für Rot-Grün-Schwäche? 
Im Gegensatz zu Bangkok habe ich hier aber nicht das Gefühl, dass es mühsam wäre, aus der Stadt hinaus zu kommen. Ich denke, dass dieses Gefühl vor allem daher rührt, dass es (zumindest im Zentrum) ein äußerst dichtes Metro-Netz gibt und damit auch eine Fahrt wie gestern ganz einfach wird: nachdem ich zufällig bei einer Station jener Linie wohne, die nach Suwon hinaus fährt, bin ich einfach hier in die U-Bahn eingestiegen und in Suwon wieder aus.

Kleinkind an der Leine
Während meiner ersten Tagen in Seoul vor zwei Wochen habe ich mich ja eher an die historischen Sehenswürdigkeiten gehalten (Paläste, Tempel, Hanoks), in den letzten Tagen habe ich mir die moderne Seite Seouls angesehen.

Dongdaemun Design Park & Plaza
So steht zB ein Bau von Zaha Hadid gerade kurz vor der Fertigstellung und das, was man bisher zu sehen bekommt, wirkt auf mich jedenfalls spannender als die krakeligen Stelzenbauten an der Heiligenstädter Lände. Aber meine Architektenfreunde und -freundinnen mögen mich gerne korrigieren!

Aus dem Lift des gegenüberliegenden Shopping-Centers
Noch ein paar Stockwerke höher
Gleich ums Eck von der Zukunft gibt’s dann aber wieder Gassln voller Sockenverkäufer und Imbiss-Standeln und mitten im Kreisverkehr steht ein zwar renoviertes, aber, weil eben mitten im Kreisverkehr stehend, nicht mehr zugängliches altes Stadttor.

Dongdaemun Market, gleich ums Eck
Und das frühere East Gate
Auch das neue Rathaus ist in modern gehalten, die geschwungene Front soll eine Tsunami-Welle symbolisieren. Ich weiß nicht, warum die Koreaner so von Tsunamis besessen sind, so viele Warnschilder und Tsunami-Versammlungspunkte habe ich sonst noch nirgends gesehen.

New City Hall 



Drinnen wachsen Bäume
Davor die alte City Hall
Mutig: Schnecken in einem öffentlichen Gebäude 
Der Hinweis darf auch an diesem Ort nicht fehlen: "Schleichts Eich, Japaner. Der Fös gheat uns!"
Das Donauinselequivalent