Freitag, 10. Januar 2014

Buenos Aires

Buenos Aires. Nun ja, die Luft ist für eine Metropole mit ca. 12 Mio Einwohnern tatsächlich nicht so schlecht. Zumindest in der Innenstadt und wenn man es zB mit Bangkok vergleicht, das nur unwesentlich größer ist. Aber schlecht war die Luft in Tokyo und Seoul auch nicht, und die sind noch einmal ums Doppelte bzw. Dreifache größer.

Teatro Colon
Plaza de Mayo
Hier wird gern demonstriert 

Von diesen Balkonen sprachen Präsidenten, Evita und Madonna.
Um nur ein paar zu nennen. Don´t cry for me ...


Grenadiermarsch?

Ich kann mir vorstellen, dass mir Buenos Aires schon gefallen würde, wenn ich direkt aus dem dem europäischen Winter hierher gekommen wäre. Und wenn ich vielleicht längere Zeit hier bliebe. Aber jetzt, gegen Ende meiner Weltreise, begeistert mich die Stadt nur sehr bedingt. Aber ich hab Paris auch noch nie besonders gemocht, und BA wird oft ein wenig mit Paris verglichen.

Keine Ahnung, wie sie wirklich heißen. Ich nenn sie "Römerinnen-Schuhe".
Grad recht populär in Argentinien.
Plaza San Martin, die Straße runter ist mein Hotel
Paris, mon amour ...
Buenos Aires ist groß. Die Stadt ist abwechslungsreich. Aber sie ist schlecht organisiert und es ist vergleichsweise schwierig - und/oder teuer - von A nach B zu kommen. BA ist in manchen Bereichen unverschämt teuer (ich mein, ein Burger-Menü beim McDonalds fast 9 Euro!! Das ist, wenn man das Geld mit Visa aus dem ATM holt. Hätte ich genügend Dolares für den Schwarzmarkt, würde es nur mehr ein bissl mehr als die Hälfte kosten. Aber immer noch zu viel). Das magere Würschtl, das sich Pancho con Papas nennt und nur einen Euro kostet, entschädigt da auch nicht wirklich.

Museo Bicentenario
Der Herr Präsident mit der blonden Gattin

Neun Euro? Im Ernst??
Ein Euro, aber kein Hochgenuß



Wikipedia ergießt sich in Superlativen, zB habe Buenos Aires die höchste Theater-Konzentration auf der ganzen Welt. Gut. Ich kann nur sagen, die Aussage paßt zu einem Eindruck, den ich in den letzten beiden Tagen gewonnen habe: Buenos Aires ist ein Großmaul.

10 Spuren in jede Richtung. Ernst? Oder muss irgendwer was kompensieren?
Aber für Gehsteige hamma kein Geld.
Das ist hier kein Einzelfall, eine Großteil der Gehsteige ist eine Lochpartie.


Ich hab grad nachgesehen, was „Großmaul“ auf Spanisch heißt: „el / la bocazas“. Das passt wunderbar, denn ich war heute in Boca. Boca liegt im Süden der herrschaftlichen Bauten und ist ein Arbeiterviertel. Es gibt zwei Gründe für seinen Ruhm: die Boca Juniors, der Verein, bei dem unter anderem Maradona spielte und den Carminito, ein kleiner Bereich, in dem die Werftarbeiter damals mit übrig gebliebener Farbe ihre Wellblechhütten bunt angemalt haben.

Am Carminito


Für mich war eher zweiteres der Grund, nach Boca zu fahren, "la bombonera" (das Stadion) habe ich mir nicht angesehen. Im Bus lese ich mir noch einmal die Sicherheitswarnung zu Boca durch: nicht aus dem touristischen Bereich hinaus wandern und schon gar nicht (!!) über den Fluß hinüber ans andere Ufer gehen/fahren, denn dort habe man als Tourist definitiv schlechte Karten. Erst war ich ja noch halbwegs guter Laune, hatte ich doch tatsächlich fünf Pesos in Münzen, um ein Busticket kaufen zu können (die Sache mit dem Kleingeld wäre noch einmal eine eigene Geschichte, nur soviel: Taxler lassen einem eher ein paar Pesos vom Fahrpreis nach als dass sie einem Münzen oder kleine Scheine zurück geben würden; und im Supermarkt hat mich der Kassier händeringend um einen Peso angebettelt, damit er mir nicht zu viel Kleingeld heraus geben musste).


Mhmmm.



Also, ich sitze halbwegs frohgemut im Bus, grummle nur ein wenig in mich hinein, was für ein Polizeistaat Argentinien doch ist, weil wenn man Kleingeld umgehen will, kann man sich (wie in vielen Städten auf der Welt) eine hier SUBTE-Card genannte Chipkarte kaufen, auf die man dann Werteinheiten draufbuchen kann. Nur braucht man hier seinen Pass (!?!) um so eine Karte zu bekommen. Ich weiß nicht, wie viele solcher Karten ich schon hatte, die gibts sonst in zwei Minuten an jedem Automaten zu kaufen. Natürlich nicht in Buenos Aires.

Tango y futbol




Also, wie gesagt, halbwegs frohgemut, verfolge unsere Route auf dem Handy und sehe, bald ist es zum Aussteigen. Dazu muss ich sagen, dass ich mich an der Route orientiere, die auf der offiziellen Website der städtischen Buslinien angezeigt wurde und die mir die Linie 33 empfohlen hat. Aber plötzlich sehe ich, wie sich der Punkt am Handy nicht Richtung Carminito bewegt, sondern schnurstracks über den Fluss fährt. Genau, den Fluss, den man als Tourist auf keinen Fall überqueren soll. Erst fuhren wir am Containerhafen vorbei und kamen dann in eine Gegend, die ich mir nicht genauer angeschaut habe, denn ich habe bei der ersten Haltestelle auf dem Absatz kehrt gemacht und mich zu einer Tankstelle in der Hoffnung auf ein Taxi gestellt. Es am auch bald eines, das aber bedeutete, nur in eine Richtung fahren zu wollen (nämlich zurück über die Brücke). Nachdem dies ja auch mein Begehr war, wurden wir uns schnell einig. Ich bilde mir ein, dass der Taxler, als wir drüben noch um ein paar Ecken gefahren waren, hörbar einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen hat. Dem habe ich mich gerne angeschlossen. Nicht, weil ich so ein Hosenscheißer wäre, aber hier in Buenos Aires war es (nach dem Barrio Brasil in Santiago) erst zum zweiten Mal, dass ich mich irgendwo wirklich unwohl gefühlt hatte.






Gut, also bin ich mit einem kleinen Umweg endlich am Caminito und nachdem ich dort eine Viertelstunde herum spaziert war, bin ich fast in hysterisches Gelächter ausgebrochen. Auf winzigem Raum (drei bis vier Straßenzüge im Quadrat) wird Argentinien auf das Absurdeste eingedampft: Tango, Fussball (Argentina! Boca!! Maradona!!! Messi!!!!), Papst Francisco, Andenkenläden und Tango-Restaurants bunt zusammen gewürfelt mit dem Inhalt von 20 Touristenbussen. Alle fünf Schritte plärrt Dir ein anderer Tangolautsprecher ins Ohr, manchmal live, meistens auf CD. Vor jedem Restaurant steht ein kleiner Tangotanzboden, auf dem sich ein Tangotrachtenpärchen lasziv räkelt, während davor die Touris ungerührt ihre Pizza und Pommes verdrücken. Jedes Haus ist angemalt, an jedem freien Standl wird Kunst oder Kitsch verkauft und dazwischen alles andere, was als Andenken dienen könnte. Ich bin länger geblieben, als es wahrscheinlich meiner Gesundheit zuträglich war, aber dann habe ich mich doch wieder in ein Taxi gesetzt und, wie wir aus dem Irrsinn draußen waren, vermutlich einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen.

In nomine patrii, tangii et futbolii. Amen.

Mahlzeit

In dem Moment habe ich auch beschlossen, mir hier keine Tango-Show anzusehen.

San Telmo


Ich bin dann noch ein bissl durch San Telmo spaziert, war OK und nachdem ich in Once, wo viele Koreaner leben sollen, nicht den Hauch koreanischer Küche vorgefunden habe, bin ich halt ins Hotel zur Siesta zurück gefahren.


Streetmarket in Once

Nachdem ich am Vorabend eine Stunde ergebnislos ein bestimmtes Restaurant gesucht habe, bin ich heute einfach in eine Parilla ums Eck gegangen und das war durchaus erfreulich. Nix Aufregendes, aber sehr freundlich, flott und das Fleisch auch nicht überbraten. Dennoch, in Santiago habe ich ums selbe Geld ein sagenhaftes Bife de Chorizo bekommen plus zwei Aperitife und zwei Beilagen mehr ...

Der Salat war vorzüglich
Das Bife de Chorizo gut. Vielleicht bin ich im Herzen doch Vegetarier?

Zusammen gefasst kann ich meine Stimmung zu Buenos Aires vielleicht so auf den Punkt bringen: wie ich heute (vermutlich) am Verteidigungsministerium vorbei gefahren bin - zumindest war es so ein Riesenkasten mit allerlei Kanonen auf dem Rasen davor - hab ich mir gedacht: ich hatte für Maggie Thatcher nie besonders viel übrig, aber dass Argentinien damals von den Briten gehörig eine aufs Maul bekommen hat, hat schon was Richtiges an sich.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Rosario

Ich bin heute in Buenos Aires angekommen. Der erste Eindruck war: freundlicher als erwartet und nicht so heiß wie befürchtet. Letzteres dürfte daran gelegen sein, dass es gestern hier ziemlich geregnet haben dürfte (hab ich übers Fernsehen mitbekommen) und ein paar Ausläufer haben ja auch in Rosario für ziemliche Abkühlung gesorgt.

Irgendwo

Aber jetzt am Abend bin ich nach dem Essen noch ein wenig herum spaziert, und da hat sich der Eindruck wieder ein bissl verdüstert. Nach dem, was man so liest, soll es in Buenos Aires ja ein beachtliches Nachtleben geben, aber ich kann nur sagen: hier bei mir in der Gegend ist es am Abend an der Grenze zur Trostlosigkeit, obwohl es eine Fußgängerzone und einige Lokale gleich ums Eck vom Hotel gibt.

Das nennen sie hier Pizza Roma

Rosario war als Stadt auch nicht so viel ergiebiger. Am Abend des Ankunftstages war es sehr heiß und feucht und die Empañadas, die ich wieder einmal versucht habe, waren nicht schlecht, aber auch wahrlich kein Essen, das bei mir Glückshormone ausstößt. Eine Samosa ist im Prinzip dasselbe, nur um viele Ecken schmackhafter.

Blick aus dem Fenster in Rosario.
Da kann man auch im Bett bleiben

Dass sich das Wetter am 7.1. von Sonnenschein am Morgen zu Regen ab dem späten Vormittag entwickelt hat, hat mich gar nicht so gestört. Denn abgesehen davon, dass das Zimmer sehr laut war (Rosario war die eindeutig lärmigste Stadt bisher in Südamerika. Immer noch ein Klacks gegen so ein richtig indisches Chaos, aber dennoch fast zuviel), war es mir gar nicht unrecht, den Tag im Bett zu verbringen, emails zu beantworten und dazwischen ein bissl fernzusehen und Siesta zu halten.

Am Busbahnhof. Ein schönes Beispiel für die
"Verwendung" von Anführungszeichen 

Am Abend bin ich dann in ein Lokal gegangen, in das auch Messi, der große (kleine) Sohn der Stadt offenbar gerne geht, wenn er im Lande ist, und das für seine Steaks gerühmt wird. Es war keine Enttäuschung, aber das Steak bei den Fetten Kühen in Santiago war eindrucksvoller. Ich habe zwei Hypothesen dazu: einerseits baut sich bei mir unwillkürlich ein gewisser Erwartungsdruck auf, wenn ich bis 21.30 Uhr warten muss, bis sich vor mir ein Teller mit Essbarem materialisiert. Und zweitens haben die Argentinier die Tendenz, ihre Steaks ein bissl zu sehr zu braten / grillen (das liest man auch im Internet immer wieder), wodurch sie nicht so saftig sind, wie sie vielleicht sein könnten.


21.15 Uhr. Zwei Tische besetzt.
21.35 Uhr: der Salat kommt. Ordentlich.
21.50 Uhr: das Steak
21.53 Uhr: es könnte saftiger sein. Dabei hab ich extra "jugoso" bestellt.

Heute am Nachmittag im Hotelzimmer hatte ich noch einen überraschenden Gedanken: bin ich vielleicht deswegen froh, in Buenos Aires zu sein, weil ich damit Argentinien jetzt abhaken kann? Denn eines muss ich sagen: so schön es landschaftlich an einigen Punkten ist (Patagonien, die Anden, der Nordwesten), dazwischen breitet sich bei mir ein bestimmtes Gefühl aus, und das heißt: Langeweile.

Vielleicht kommt die Langeweile daher, dass es beim Reisen wenig Herausforderungen gibt; dass ich mich halbwegs verständigen kann (aber auch nicht so gut, dass ich wirklich weiter gehende Konversationen führen könnte); dass das Essen gut, aber nicht umwerfend ist; dass die Städte viel Vertrautes und wenig Aufregendes haben? Ich kanns nicht genau sagen, ich merke nur, dass ich die Hoffnung habe, dass ich in Brasilien noch einmal intensivere Eindrücke finde als hier.

Ach ja, und ich wurde noch darauf hingewiesen, dass ich natürlich ein furchtbarer Fußballbanause bin, da ich nicht einmal erwähnt habe, dass Mario Kempes, der glorreiche Sohn Cordobas und Torschützenkönig der WM 1978, dessen Namen das Stadion in Cordoba seit einigen Jahren trägt, seine Karriere bei ein paar österreichischen Zniachtel-Vereinen beendet hat. Ich streue symbolische Asche auf mein Haupt und bekenne, was eh jeder weiß: ich bin ein großer Fußball-Banause. AdG!

Sonntag, 5. Januar 2014

Cordoba

Cordoba. Für Besucher ohne Geschichtsbewußtsein ist das eine Stadt im Landesinneren von Argentinien. Für andere ist Cordoba eine Stadt in Spanien, auch gut. Aber für wahre Österreicher (und manche Österreicherinnen) steht der Name nur für eines: Das Wunder von Cordoba. 1978. Deutschland - Österreich. Unser Hansee. Der Aufschrei, der eine ganze Generation in seinen Bann zog. Edi Finger. Forever.

Ein heiliger Ort

Leider findet gerade kein Spiel statt, sonst wäre sogar ich ins Stadion gegangen!

High security. Muss verdammt gut sein.

Entsprechend ehrfürchtig habe ich mich daher heute in den Bus gesetzt und bin eine halbe Stunde in einen Vorort von Cordoba gefahren. Zuvor habe ich mich noch in Wikipedia schlau gemacht, die Hintergründe des Spiels, der ganzen Weltmeisterschaft (noch ohne Maradona!), der Umbenennung des Stadions vor ein paar Jahren (der WM-Torschützenkönig von 1978, Mario Kempes, ist ein Sohn der Stadt).

Idylle am Parkplatz. Sonst üben hier Fahrschüler einparken.

Und es ist in der Tat ein magischer Ort. Die Luft ist voll des Wunders, die Erde ist getränkt vom Schweiß und der Ehre Österreichs und wenn ich ganz still stehen bleibe, höre ich, wie der Wind und die Blätter Edis Echo an mein Ohr zaubern: „...erdnaaaarrriiischhh“ Ich bin ergriffen, stehe reglos und atme den Stolz, die Würde und die Kraft dieses einen Spiels, dieses wunderbaren, einzigartigen Ereignisses, o tu felix Austria!






Es versteht sich von selbst, dass angesichts eines derart historisch denkwürdigen Ortes die anderen Attraktionen Cordobas dagegen verblassen müssen. Ich habe mir ein Apartment im Zentrum genommen und meine drei Tage hier sehr genossen. Ich habe mich intensiv auf die Wallfahrt heute vorbereitet (recherchiert, meditiert, Wäsche gewaschen) und mich wieder einmal im Steak-Braten versucht.

Vielleicht hätte mich die Übersetzung schon warnen sollen ("Transportpalette")

Der Salat war gut, die Gurke bitter

Der Wein war nicht aufregend,
das Cordoba dafür definitiv das beste Bier bisher in Argentinien!

Im Gegensatz zu Neuseeland war das Ergebnis aber ein bissl mau und ich traue mich nicht zu sagen, ob die Fleischqualität in Neuseeland einfach besser war (es gibt Stimmen, die sagen, dass die Intensivierung der Landwirtschaft in Argentinien zu einem Abfall der Fleischqualität geführt hat) oder ob ich das falsche Stück erwischt habe. Mein Dictionary hat die Aufschrift auf der Fleischverpackung ja vielleicht nicht ohne Grund als „Transportpalette“ übersetzt ...


Auch so eine Sache. "Moron", im Ernst?
Englischsprachige Studenten werden hier wohl eher nicht studieren wollen 

Kunst. No idea what it means.













Donnerstag, 2. Januar 2014

Un poco de Sturm

Wie ich gestern vormittag in Salta weggefahren bin, war der Himmel strahlend blau. In der Zeitung, die im All-Inclusive-Busservice inkludiert war, habe ich dann etwas von Erdrutschen gelesen, die von starken Regenfällen im Norden des Landes ausgelöst worden sind. Hab ich mir gedacht; gut, dass ich nicht nach Bolivien in die dortige Regenzeit gefahren bin.

Sonnige Gegend von Salta

Die Busfahrt war wieder sehr entspannend, auch noch, als ich nach meinem Mittagsschlaferl wieder aufgewacht bin und dunkle Wolken am Horizont gesehen habe. Was solls, ich sitz ja im Trockenen, oder?

Eintrübung nach dem Mittagsschlaf

Mit der Zeit wurden die Wolken aber immer dichter und irgendwie hat alles dann einen leicht gelblichen Schein angenommen. Erst sah es so aus, als wäre es ein Sandsturm, dann kam aber doch noch Regen dazu, aber was solls, oder?

Es wird immer staubiger

Wie wir dann nach Santiago del Estero, meinem heutigen Ziel herein gefahren sind, musste der Bus schon Schlangenlinien um herunter gebrochene Äste und sonstiges Geröll fahren. Werbeanzeigen neben der Straße lagen in großen Fetzen in der Gegend und nachdem der Bus begonnen hat, rechts abzubiegen, hat er auf einmal gestoppt und hat wieder zurück gesetzt und ist stehen geblieben. Nachdem das Handynetz (wieder einmal) nicht besonders funktioniert hat, konnte ich nicht genau sehen, wo wir waren, aber es sah schon nach Stadt aus.

Baum legt sich nieder

Nach einigen Minuten kam dann einer der Fahrer zu mir und hat gemeint, sie können nicht zum Busbahnhof weiter fahren, denn da liege ein Baum quer über die Straße. Ob ich denn aussteigen und mir ein Taxi nehmen wolle. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich viele Alternativen hätte (außer noch einmal sechs bis sieben Stunden nach Cordoba weiter zu fahren), also bin ich ausgestiegen.

Am Weg zum Hotel

Die Straße stand schon unter Wasser, aber noch nicht sehr tief und nach einer Viertelstunde war klar, dass ich hier kein Taxi bekommen würde. Also bin ich einfach in Richtung des umgestürzten Baumes gegangen, in der Hoffnung, dass sich dahinter irgendwo weiter kommen würde. Ein netter älterer Herr, der gerade mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt war, hat mir dann gesagt, dass der Busbahnhof tatsächlich nur zwei cuadros entfernt sei und dort wäre ein Taxi zu bekommen.


In Santiago

Der Busbahnhof lag etwas stromlos in der Gegend herum und unter dem großen Vordach warteten schon etwas 100 Personen auf ihre Busse. Taxis waren nicht zu sehen, und wenn, dann voll. Nach dem ich einige Zeit gewartet habe, habe ich beschlossen, dass es wahrscheinlich besser sein wird, wenn ich mich zu Fuß auf den Weg mache. An der ersten Kreuzung habe ich dann aber umgedreht, da dort das Wasser schon etwa 20 cm tief gestanden ist.

Zurück am Busbahnhof hatte sich die Situation aber nicht wirklich geändert, und auf einmal ist mir eingefallen, dass ich ja noch meine staubigen, stinkigen Laufschuhe mit mir herum trage und da wußte ich, warum ich sie noch nicht weggeworfen hatte! Also Hose herauf gekrempelt, die alten Turnschuhe angezogen und auf gehts!




Ich hab nicht auf die Uhr gesehen, aber ich schätze, dass ich etwa eine halbe Stunde bis zum Hotel gebraucht habe. Großteils waren die Gehsteige hoch genug, sodaß ich meine Rollkoffertasche noch rollen konnte, aber durch die Straßen und auf den letzten 700-800 Metern habe ich mir gedacht, dass in manchen Situation so ein Rolldings schon auch seine Schwächen hat.

Jetzt hoffe ich, dass irgendwann der Strom wieder kommt und sie bis morgen die Straßen so weit geräumt haben, dass mein Bus nach Cordoba auch tatsächlich fährt. Zur Vorsicht werde ich aber noch nachschauen, was Kerze auf Spanisch heisst (vermutlich candela ...).

P.S: das war heute die Schlagzeile in der Zeitung und der Strom ist erst um 5.25 Uhr in der Früh wieder gekommen, daher hat es noch ein bissl gedauert, bis der Post online ist.

Tod, Panik und Chaos in Santiago!

Mittwoch, 1. Januar 2014

Kein Salto in Salta!

Es war, wie ich vermutet hatte: um Mitternacht war auf Saltas Straßen nix los. Gar nix. Ein paar vereinzelte Grüppchen, die verloren in der Gegend herum standen, dann ein paar Raketen, ein paar schüchterne Kracher, das wars. Und ich mein, Salta hat eine halbe Million Einwohner ...

23.58 Uhr, im Stadtzentrum von Salta

Aber ich muss gestehen, so wahnsinnig hat mich das gar nicht gestört. Direkt zum Jahreswechsel hätte ich schon gern ein bissl mehr Remmidemmi gehabt, aber ansonsten habe ich die Ruhe fast schon genossen. In der Nacht hat es schon noch ein paarmal gekracht, aber nix im Vergleich zu dem Dauergetöse von 19.00 bis 1.00 Uhr, 2.00 Uhr früh in Österreich. Und auch die Straßenhunde (von denen es hier an jedem Ort eine erkleckliche Anzahl gibt), haben den Jahreswechsel vielleicht nicht völlig entspannt, aber doch ganz gut überstanden.

0.01 Uhr. Eine Rakete, und gleich darauf noch eine!

Ob es dann später noch zu wilden Parties auf Saltas Straßen gekommen ist, kann ich nicht sagen. Ich hab mir im Hotel nur noch "Ratatouille" auf Spanisch angesehen und bin dann friedlich entschlummert.

Kawumm!